Da wir heute zeitig wach sind, beschließen wir in die Hauptstadt nach Victoria zu fahren. Auf den Seychellen leben ca. 94.000 Einwohner, ungefähr die Hälfte davon auf Mahé. Man sollte also nicht zuviel erwarten. Zahlenmäßig hat das Staatsoberhaupt weniger „Untertanen“ als unser Bürgermeister. Trotzdem gibt es die ein oder andere Sehenswürdigkeit die wir uns heute mal ansehen wollen.
Bis nach Victoria sind es gut 20 km, aber wir benötigen durch den Dschungel trotzdem 30 Minuten. Als wir dort ankommen, ist dort Rush Hour und die Autos schieben sich Stoßstange an Stoßstange durch die Straßen. Wir brauchen eine Weile bis wir einen Parkplatz finden, hier tut der Linksverkehr sein übrigens. Es ist ungefähr 10:30 Uhr, die Temperatur hat bereits wieder astronomische Höhen erreicht und ich habe den Eindruck wir schleichen durch Victoria wie zwei Verdurstende in der Wüste.
Wir schauen uns den Clock Tower an eine Nachbildung der Uhr die 1897 auf der Victoria Road in London aufgestellt wurde. Sie bildet hier seit mehr als 100 Jahren den Mittelpunkt der kleinen Inselhauptstadt, während ringsrum moderne Gebäude entstanden sind. Die legendäre eine Ampel in der Haupptstadt wurde mittlerweile um einige weitere ergänzt. Es gibt einen Hindu-Tempel für die gut 5.000 Inder die auf der Insel leben – vermutlich in ihren unzähligen Mini Markets.
Aber das Highlight für uns ist der Sir Selwyn Selwyn-Clarke Market, eine Markthalle in der täglich Markt abgehalten wird und in dem sich die Einwohner mit allem für den täglichen Bedarf eindecken. Neben dem vielen Obst und Gemüse hat es mir vor allem die Fisch-Abteilung angetan, welche sich bereits von weitem durch ihren intensiven Geruch ankündigt.
Wir shoppen noch ein paar Souvenirs und während wir im Schatten auf einer Parkbank sitzen und die nächsten Schritte planen, kommt ein Busfahrer auf dem Weg nach Hause an uns vorbei. ich finde, diese Spezies sieht überall auf der Welt gleich aus.
Wir beschließen von hier aus nun zum Beau Vallon zu fahren, das ist der knapp 2 km lange Prachtstrand im Nordwestenen der Insel, für viele der schönste der Seychellen. Nun, hier treffen jetzt 2 Faktoren ungünstig aufeinander. Zum einen haben wir in den letzten 2 Wochen die anderen schönsten Strände der Insel bereits gesehen, zum anderen herrscht hier gerade Ebbe, d.h. man muß mal etlich hundert Meter gehen, bis man knöcheltief im Wasser steht. Schockt jetzt nicht so wirklich. Wir fahren weiter, halten an der ein oder anderen Stelle nochmal an und umrunden so langsam die Nordspitze der Insel, bis wir allmählich wieder die ersten Gebäude von Victoria erreichen. Fazit: Die Strände auf Praslin oder La Digue waren allesamt schöner und lieblicher als hier.
Wir wollen Victoria aber nicht verlassen ohne noch kurz den Hypersupermarket am Hafen zu besuchen. Der Name klingt vielversprechend und er hat auch tatsächlich den Charakter einer Mall. Was sofort auffällt ist, das die meisten Seychellois ihre Einkaufswagen bis zum Stehkragen voll gepackt haben. Am Wochenende hat es Geld gegeben und jetzt werden die Einkäufe für den Monat erledigt. Was weiter auffällt ist, das unser Inder unten an der Ecke ein ähnliches Angebot hat, bloß eben nur 10 Dosen wo hier vielleicht 100 stehen. Es gibt natürlich auch europäische Waren wie z.B. Nutella oder Philadelphia Käse, allerdings zu sündhaft teuren Preisen. Was unser Inder nicht hat, ist anderes Brot als Toastbrot und einigermaßen akzeptablen Wein, beides finden wir hier. So erledigen wir hier unseren Großeinkauf für die nächsten Tage und machen uns dann auf den Weg zurück zur Unterkunft. Heute Abend gibt es italienische Nudeln, mit Gemüse und Tomatensoße. Dazu geriebenen Parmesankäse und einen Rosé aus Südafrika. Lecker!
