Team2-On-Tour

Es regnet im Paradies

Die Nacht war wieder ätzend. Meine Frau teilt ihr Bett momentan mit einem schwitzenden Glühwürmchen. Für heute haben wir eine Tour gebucht und als ich wach werde, bin ich mir nicht sicher, ob ich das durchziehe. Aber nach einer Dusche, etwas Kaffee und Bewegung wird es besser. Die Tour startet am Strand  hinter unserer Anlage, dort holt uns das Boot ab. Von da aus geht es um die Nordspitze der Insel bis zur gegenüberliegenden Insel Curieuse, wo es noch Riesenschildkröten in freier Wildbahn gibt. Nach einem Barbeque geht es auf dem Rückweg zur Mini-Insel St. Pierre wo man noch ein wenig schnorcheln kann. Soweit die Kurzform.

Wir hatten uns im Vorfeld bereits über das Angebot und mögliche Anbieter informiert, wollten uns aber terminlich nicht direkt festlegen. Letztlich haben wir die Tour über unsere Vermieterin buchen lassen, die einen Operator vorgeschlagen hat und der war auch  völlig o.k. Nachdem wir zugestiegen sind, ist das Boot komplett und ab geht die wilde Fahrt, angetrieben von 2 kernigen Außenbordmotoren. Wir sind insgesamt 14 Teilnehmer, ein Großteil Schwaben (Soo a Schnäpple). Dazu der Fahrer sowie ein Guide, der ein bißchen aussieht wie der Bruder von Bob Marley.
Als wir Curieuse erreichen wird klar, dass es keinen Sinn macht, sich auf einen Anbieter zu fokusieren. Jeder hat diese Tour im Programm und so landen hier jede Menge Boote an. Die Insel war früher mal eine Kolonie für Lebrakranke und der behandelnde Arzt hat hier für die Zeit auf der  Insel ein nettes kleines Anwesen im Kolonialstil errichtet – The Doctor’s House. Heute hat man daraus ein kleines Museum gemacht und wir starten dort mit einer Besichtigung. Zwischenzeitlich ist ein zweites Boot unseres Anbieters angelandet, so das unsere Gruppe auf 24 Teilnehmer anwächst.

Wir machen uns nun auf den Weg zur anderen Seite der Insel wo quasi der Festplatz für das BBQ ist (die Speisung der 10.000). Unser Guide – ich nenne ihn Bob, da ich seinen Namen echt nicht verstanden habe – geht voran und macht uns auf Dinge aufmerksam, die dem typischen Touristen für gewöhnlich entgehen. Es hat vor kurzem noch geregnet, weshalb hier in dieser grünen Hölle die Luftfeuchtigkeit besonders hoch und der mit Blattwerk überzogene Boden besonders glitschig ist. Beim Versuch, meine 80 kg Lebendgewicht auf Flip Flops fehlerfrei den Hügel hinauf zu bewegen, verliere ich daher mindestens einen Liter Flüssigkeit. Dafür gibt es spektakuläre  Ausblicke. 

 Zum Schluß geht es noch über einen Holzsteg durch einen Mangrovenwald, bevor wir den Platz erreichen. Da noch Zeit ist bis zum Lunch, haben wir die Möglichkeit uns die Schildkröten anzuschauen. Auf den ersten Blick nicht sofort zu sehen, liegen sie in Gruppen faul herum und machen wenig Anstalten sich zu bewegen, als sie uns hören. Erst als Bob mit etwas Blattwerk auftaucht, tut sich was. Gut, Dynamik ist jetzt nicht das Wort was mir in dem Zusammenhang einfällt, aber es steckt offensichtlich Leben in den Körpern. Wenn sie futtern, kann man ihnen den Hals kraulen und die ledrige Haut spüren. Echt possierliche Tierchen.

Weiter hinten gibt es eine Aufzuchtstation für Schildkröten bis 5 Jahre, danach haben sie keine natürlichen  Feinde mehr und werden in die freie Wildbahn entlassen. Jetzt noch kurz zum Abkühlen ins Meer und ab geht’s zum BBQ. Es ist bei weitem nicht so schlimm wie ich befürchtet habe. Unter einem großen Dach stehen Reihen von Tischen, außen an den Ecken glühen selbstgebaute Grills auf denen Jackfisch und Hähnchenbollen schmörgeln. Dazu gibt es Tomatensosse und verschiedene Salate. Die verschiedenen Gruppen hat man etwas getrennt, so das das Ganze überschaubar bleibt.

Nach dem Essen haben wir 90 Minuten zur freien Verfügung, die ich für meine Regeneration nutze, heisst: ich lege mich unter eine Palme in den Schatten und
penne.

So, jetzt geht’s schnorcheln. Unser Rückweg führt uns vorbei an St. Pierre einem Inselchen kaum größer als 50 x 100 Meter, der Großteil der Küstenlinie besteht aus Granitsteinen, aber hier soll es jede Menge bunter und interessanter Fische geben. Was als erstes auffällt ist, das alle Korallen abgestorben sind. Das ist eine Folge des Tsunami 2004 und lässt das Ganze erst einmal trostlos erscheinen. Was die Fische betrifft, haben sie allerdings Recht. Schätzungsweise 10 -20 verschiedene Typen von silberweiss über blau-gelb bis camouflage. Der kleinste 2 cm, der größte ca. 35 cm. Flossen haben wir uns an Bord geliehen, Maske und Schnorchel haben wir uns bereits zu Hause gekauft. Ich muß sagen seit meinem letzten Schnorcheltrip – das war Thailand 2008 – hat sich einiges beim Material getan, so dass Schnorcheln auch echt Spaß macht.
Nach ca. 45 min schwimmen wir zurück zum Boot, wo sich auch bereits die Mehrheit unserer Mitstreiter eingefunden hat. In der Ferne über dem Wasser ziehen dunkle Wolken auf und man kann sehen, wie es dort bereits abschüttet. Unter den Bootsführern die diese Tour nicht zum ersten Mal machen, setzt geschäftiges Treiben ein, Gäste werden eingesammelt, Anker gelichtet.
Das ist vielleicht der Augenblick ein paar Worte über Holger zu verlieren (Anm.: Name aus Gründen der Privatsphäre geändert) Holger ist die eine  Hälfte eines Pärchens aus dem Schwarzwald und mir bereits beim Betreten des Bootes aufgefallen. Weniger wegen seinem Ostfriesenkäppi was er gegen die Sonne trug, auch nicht wegen seinem einfachen weißenT-Shirt mit einem Aufdruck a la „15 Jahre Bichlmann & Co – Wir feiern mit“. Nein es war seine Gopro am Ende eines Selfie-Sticks den er hektisch hin und her schwenkte, um möglichst viel von der gesamten Szenerie einzufangen. Holger ist wie wir erfahren leidenschaftlicher Schnorchler und dieser Teil des Ausflugs sicherlich das Highlight für ihn. Ab und an während ich so vor mich hin schnorchel – ich finde bei toter Mann sind die Fische am zutraulichsten – sehe ich die Gopro mit Holgers ausgestrecktem Arm an mir vorbeiziehen. Als es jetzt darum geht, die Gäste einzusammeln fehlt einer. Richtig, Holger! Da um uns herum nicht mehr viel los ist, wirft der Kapitän die Maschinen an und kreuzt durch die Gewässer. Irgendwann finden wir ihn, der Gute ist so fasziniert, das er sich gewollt oder ungewollt auf der Rückseite der Insel befindet.
Nachdem wir jetzt vollzählig sind,kann es losgehen. Was nun folgt, ist ein Regenschauer vom allerfeinsten der durch die Geschwindigkeit des Bootes noch verstärkt wir. Obwohl wir ja noch nass sind vom Schnorcheln sitzen wir zwischenzeitlich mit Strandlaken über Kopf und Rücken im Fussraum. Das Ganze dauert knapp 10 min, dann haben wir das Regengebiet passiert und die Sonne ist wieder da.
Kurz vor Ende der Tour gibt es noch einen Stopp an der  Anse Georgette. Das ist einer der schönsten Strande  auf Praslin, nur liegt er leider auf dem Gebiet des Lemuria Resorts. Das heißt nicht, dass man da nicht hinkommt, aber man muß sich im Vorfeld dort anmelden und dann nochmal 45 min über den Golfplatz wandern. Und damit sie nicht jedesmal das Grün absperren müssen, wenn Heerscharen von gewöhnlichen Touristen über den Platz ziehen, ist die Anzahl der Personen limitiert. Wir haben uns am Do. um einen Zutritt bemüht und hätten eine Erlaubnis für Mo. bekommen Da ist das schon die elgantere Variante.
Und das eigentlich faszinierende an der Anse Georgette ist die unglaubliche Farbe des Wasser, und die Sicht vom Boot auf den Strand die schönere. Wir gehen noch ein wenig schwimmen, bevor es endgültig heimwärts geht. Den Rest des Tages verbringen wir auf unseren Liegen und ich bin zufrieden, dass ich es durchgezogen habe.

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