Team2-On-Tour

Der Fond Ferdinand-Park

Die Nacht verlief ähnlich schlecht wie die vorherige. Irgendwann gegen 02:00 Uhr wirkt der Ingwertee und ich schwitze meinen Schlafanzug durch. Doch nach dem Aufstehen merke ich, dass es damit diesmal nicht getan ist. Immer noch Gliederschmerzen. Da ich mir keinen Männerschnupfen nachsagen lassen möchte, entscheiden wir uns für einen Halbtagestrip in einen der Nature Reserve Parks. Hierzu nochmal ein wenig Bildungsauftrag:

Aufgrund der isolierten Lage mitten im indischen Ozean gibt es auf den Seychellen jede Menge endemische Flora und Fauna, also Pflanzen und Tiere die es nur hier auf den Inseln gibt. Eine davon ist die Seychellenpalme kurz Coco de Mer, der man nachdem man ihr touristisches Potential erkannt hat, einen eigenen Nationalpark errichtet hat. Die Palme wächst heran und nach 25 Jahren trägt sie die ersten Merkmale an denen man Männlein und Weiblein unterscheiden kann. Ist es ein weiblicher Baum trägt sie Kokosnüsse, die weitere 7 Jahre wachsen bis sie ihre letztendliche Größe erreicht haben. Die Nüsse haben die Form eines weiblichen Beckens und können bis zu 20 Kilo schwer sein. Die männliche Pflanze ist direkt als solche zu erkennen, trägt sie doch ein riesiges Bestäubungsorgan in Penisform. Im Valle de Mai einem knapp 20 ha großen Nationalpark kann man diese und andere Pflanzen bestaunen. Der Park wurde 1983 von der UNESCO in die Liste des Weltnaturerbes aufgenommen.

Vor 4 Jahren hat man einen weiteren Park, den Fond Ferdinand Park eröffnet. 6x größer, aber bei weitem nicht so bekannt und daher wenig frequentiert. Vor dem Vallé de Mai stehen auch gerne mal Reisebusse. Also entscheiden wir uns für einen Besuch des Fond Ferdinand Park. Die Besichtigung erfolgt im Rahmen einer geführten Tour, die alle 2 Stunden stattfindet. Unsere Gruppe umfasst 16 Leute, die meisten davon Franzosen. Ich habe den Eindruck, die machen am liebsten in ihren ehemaligen Kolonien Urlaub, vermutlich weil da noch am ehesten ihre Sprache gesprochen wird. Mit uns nimmt noch  ein männliches Pärchen aus Berlin teil. Als ich sie sehe, muss ich sofort an den Polizisten aus YMCA denken, Glatze, dicke Kette, Tattoe.

Der Park ist ein Stück naturbelassener Wald, Dschungel quasi. Highlight ist die Coco de Mer, von der es hier ca. 850 Stück gibt, aber auch jede Menge anderer Pflanzen lassen sich hier bestaunen. Herabfallendes Blattwerk wird maximal noch von den Wegen geräumt, ansonsten lässt man der Natur freien Lauf. Der Weg führt gut 600 Stufen hinauf auf eine Anhöhe, von dort hat man einen fantastischen Ausblick über die Insel. Allerdings sind die Klamotten bis dahin auch schweißnass.
 
 Als wir uns am Enden der Tour von unserem Pärchen – ich habe es Klaus & Klaus getauft – verabschieden erfahren wir, dass sie bereits am Samstag nach La Digue übersetzen, unser Ziel ab Sonntag. Da war mir klar, dass wir uns noch einmal wieder sehen werden.

Die Tour hat mittlerweile deutliche Spuren bei mir hinterlassen, also kehren wir zurück zur Anlage. Ich lege mich auf eine der Liegen im Sand und schlafe 2 Stunden wie ein Stein, danach bin ich bereit für weitere Aktivitäten. Der Hut den Bine sich gestern gekauft hat ist türkisgrün wie das Wasser hier. Zufälligerweise hat er die gleiche Farbe wie ihre Schwimmschuhe, was ja schon fast wieder nach Farbkonzept aussieht. Also ist Madame der Meinung, das ein Wickeltuch in der gleichen Farbe her muß. Okay, ist mal was anderes als rosa. Wir schwingen uns also in den Hyundai und fahren diesmal auf unserer Seite weiter die Insel hinauf. Die ersten beiden Läden sind keine große Hilfe, da Wickelröcke hier nicht zum Sortiment gehören. Irgenwann erreichen wir das Ende der Insel, zumindest den befahrbaren Teil. Die Straße endet vor dem Constance Lemuria Golf Resort, einem Nobelresort mit dem einzigen 18-Loch Golfplatz auf den Seychellen. Klaus & Klaus wohnen hier. Wir treten den Heimweg an und stoßen nach einigen Kilometern auf einen weiteren Laden, der uns bei der Hinfahrt nicht direkt ins Auge gefallen ist. Was soll ich sagen, ein Paradies für Wickelrockliebhaber. Bereits draußen auf einem Ständer finden wir ein Exemplar in passender Farbe und im Laden geht es weiter. Auf Bügeln und in Regalen hängen und liegen bestimmt hundert verschiedene Varianten. Bei meiner tatkräftigen Unterstützung schieb ich die Hälfte eines Stapels hinten aus dem Regal wieder raus, so das sich die gesamten Röcke auf  dem Boden ausbreiten. Man, ist das peinlich. Aufgrund des Materials lässt sich das Ganze auch nicht so einfach und vor allem unauffällig zurück in Form bringen. Letztendlich landet alles auf dem Tisch der Kassiererin die immer noch faltet, als wir endlich mit unserer Wahl ankommen. Alles kein Problem. Sagt sie.

Kurz vor unserer Unterkunft halten wir an einem Delikatessen-Supermarkt namens „Wholefood“. Bine hat davon gelesen, hier gibt es jede Menge westlicher Lebensmittel. Wir gönnen uns 2 Cappuccino mit echtem ily-Kaffee und ein Stück Apfelkuchen. Köstlich! Zum Abendessen gibt es noch mal was vom Take-Away und schwups ist der Tag vorbei.

Abschließend noch kurz was zum Thema Essen. Da gibt es auf den Inseln letztlich nur 3 Varianten: 1. Selbst verpflegen, 2. Restaurant, 3. Take away
Zu 1. Möchte ich mir nicht vorstellen. Zum einen habe ich bisher nur die von den Indern betriebenen Minimärkte mit ihrem überschaubarem Angebot gefunden. Ab und an mal einen Obststand. Vermutlich findet man bei intensiverer Recherche auch Quellen für frischen Fisch. Aber alles scheitert meiner Meinung nach an der rudimentären Ausstattung der Küche. Die in unserer Unterkunft ist das beste Beispiel. Wär mir zu stressig.
Zu 2. Restaurants bewegen sich hier alle auf hohem europäischen Niveau. Da wo wir gegessen haben, war die Qualität immer sehr gut, aber ein Hauptgericht kostet immer zwischen 18,– und 24,– EUR.
Zu 3. Das Take-away, wie der Name schon sagt, das seychellische Pendant zur Pommesbude. Das Angebot variiert ein wenig, aber im wesentlichen besteht es aus Reis oder gebratenen Nudeln, obendrauf ein Curry mit Huhn, Schwein, Fisch oder Rind, dazu etwas gehäckselten Salat, Kürbischutney und bei Bedarf extra Chili (Vorsichtig!) Das Ganze kommt in einer aufgeschäumten Plastikbox zum Mitnehmen und kostet zwischen 4,– und 5,– EUR. Saulecker und die Menge ist so großzügig, das wir uns mittags schon mal eine Portion teilen.

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