Team2-On-Tour

Vollmond über Taunggyi

Ein weiterer Reisetag steht an. Um 06:30 Uhr werden wir abgeholt und zum Flughafen gebracht. Es geht nach  Heho, von wo aus wir die Region um den Inle-See erkunden wollen. Am Flughafen werden wir von unserem neuen Guide in Empfang genommen. Vermutlich weil ich die letzten Tage durch etliche Pagoden geschlichen bin, ist mein Wunsch in Erfüllung gegangen. Nach drei männlichen Guide haben wir zum Abschluss einen weiblichen. Soe Soe ist eine Pa O, ein ethnischer Volksstamm der in dieser Region lebt, und ungefähr 3 Köpfe kleiner als ich. Den Namen des Taxifahrers habe ich vergessen, dafür hat er von mir einen anderen bekommen. Doch dazu später mehr. Unser erstes Ziel am heutigen Tag ist die Höhle von Pindaya. Auf dem Weg dorthin stoppen wir am Wochenmarkt, um uns das bunte Treiben
anzuschauen. Hier kommen mal wieder die Vorzüge eines eigenen Guide zum Vorschein. Man bekommt alles erklärt, kann überall hineingehen und bekommt überall was zum probieren. Ein typischer Wochenmarkt auf dem alles Mögliche und Unmögliche angeboten wird, und die Einheimischen ihren täglichen Bedarf decken. Ich glaube ich habe schon gefühlte 5.000 Bilder von solchen Märkten, doch es ist immer wieder ein Erlebnis. Danach geht es ca. 3 km weiter, bevor wir wieder stoppen. In einem Haus an der Straße findet eine burmesische Hochzeit statt.
Soe Soe fordert uns auf hinein zu gehen, wobei uns nicht ganz wohl bei der Sache ist. Ich war in diesem Jahr auf 3 Hochzeiten und stelle mir gerade die Gesichter der Leute vor, wenn mitten beim Hochteitstanz zwei Burmesen in Trekking-Sandalen den Raum betreten. Hier ist die Freude groß, vermutlich bringen großgewachsene  Europäer auf der Hochzeit Glück. Wir werden massiv genötigt, etwas mit zu essen und bevor wir gehen werden wir noch mit dem Brautpaar fotografiert. Unglaublich. Übrigens, großgewachsene Europäer mit grauen Schläfen kommen auch bei burmesischen Frauen gut an!

Die Fahrt geht weiter Richtung Pindaya, nicht ohne einige Fotostopps. Die Landschaft hat sich total verändert, man könnte meinen man ist in der Toskana. Etliche Parzellen in grün und gelb, dazu die rotbraune Erde. Berge im Hintergrund. Als wir die Höhle erreichen, nehmen die Menschenmassen schlagartig zu. Heute ist Full Moon Day, der Vollmond im November und hier in Burma so etwas wie ein Feiertag. Daher sind viele Burmesen unterwegs. Die Höhle – so etwas wie eine Tropfsteinhöhle wurde erst 1965 entdeckt aber wahrscheinlich bereits seit dem 17. Jahrhundert als religiöse Stätte genutzt In ihr befinden sich über 8.000 Buddha-Figuren unterschiedlichster Größen und das Ganze ist hier so etwas wie ein Wallfahrtsort. Das erste was man sieht ist Gold, in welchem die ganzen Figuren strahlen, die erste Frage die ich mir stelle, wo ist mein Stativ? Das wäre aber wenig hilfreich, denn die Gänge zwischen den Figuren sind so eng, dass man zeitweise mit dem Rucksack hängenbleibt. Dazu ein Gedränge wie auf der Hasper Kirmes am Samstagnachmittag. Der Fotograf genießt also einfach mal und schweigt.

Danach geht es den gleichen Weg zurück, unser nächstes Ziel ist Taunggyi. Die Hochzeitsgesellschaft ist schon aufgebrochen und hat sich vermutlich in die Schlange von Fahrzeugen unterschiedlicher Größe und Qualität eingereiht. Alle wollen nach Taunggyi! Während des November Vollmondes findet hier das große Heißluftballon-Festival statt. Die Festivitäten ziehen sich über mehrere Tage hin und aus allen Teilen des Landes reisen die Gruppen an, um sich dem Wettbewerb um die schönsten Ballons zu stellen. Am Abend sind es handgefertigte illuminierte Unikate – Durchmesser ca. 4 – 5m – teilweise mit Feuerwerk, tagsüber oftmals Tiermotive. Am heutigen Abend erreicht das Fest seinen Höhepunkt und wir sind dabei. Wir checken kurz im Hotel ein und weiter geht’s zum Festplatz. Stop and Go geht es durch die Stadt. Besucher, Gruppen die ihre Ballons transportieren und der sowieso vorhandene Verkehr verstopfen die Straßen. Irgendwann erreichen wir die Festwiese und da unser Taxifahrer eine Schwester hat die im Organisationskomitee arbeitet hat er einen großes Schild auf dem Armaturenbrett liegen, welches ihn berechtigt, in der ersten Reihe zu parken. 

Die Festwiese hat ungefähr die Größe des Oktoberfestes, vielleicht etwas kleiner. Auf dieser Wiese tummeln sich 500.000 Leute!! Man hat einige Karussells aufgebaut und ansonsten gibt es hunderte von Bierzelten, Essenständen und Souvenirläden. Oktoberfest auf burmesisch eben. An der Seite befindet sich ein abgeteilter Bereich wo heute Abend eine landesweit bekannte, populäre Popgruppe auftritt. Normalerweise muss man für ein Konzert in Yangon teuer Geld bezahlen, aber dank eines örtlichen Sponsors ist der Eintritt heute frei. Entsprechend ist der Andrang der Jugend. Für die VIP’s – meistens Touristen – hat man eigens eine Empore aufgebaut, auf welcher man einen guten Überblick hat.  Wir entscheiden uns aber zunächst für einen Rundgang. In der Mitte der Wiese hat man ein etwa Fußballfeld großes Areal abgesperrt. Hier sollen die Luftballons starten. Wir stehen zwischen den Buden und schauen eine Weile dem Treiben zu. Nachdem nichts passiert, abgesehen davon, dass der erste Ballon in Flammen aufgeht, bevor er richtig in die Höhe steigt, entschließen wir uns erstmal ein Kleinigkeit zu essen. 

Es gibt jede Menge Spießchen mit Hähnchen, Fisch, Fischbällchen und andere Sauereien. Wir bestellen eine Auswahl und das ganze wird in einen Wok voll mit heißem Öl geworfen, kurz frittiert, in scharfe Soße getaucht und anschließend in der Plastiktüte serviert. 10 Spieße 1,– Euro. Tolle Party. Wir nehmen unser Essen und setzen uns in ein Zelt, um ein Bier zu trinken. Sein eigenes Essen in die Kneipe mitbringen, was bei uns eher undenkbar ist, ist hier völlig normal.

Als draußen das erste Feuerwerk losgeht, machen wir uns auf den Weg zurück zur VIP-Empore. Ich habe den Eindruck, das Gedränge ist noch größer geworden. Schlangen von Burmesen, die Hände auf den Schultern des Vordermannes ziehen einer Polonaise gleich durch die Massen. So kann man sich wenigstens nicht verlieren. Ich muss höllisch aufpassen, die große blonde Frau ist zwar gut zu erkennen zwischen den kleinen Burmesen, aber ein Foto in die falsche Richtung und man fühlt sich wie in einem reißenden Fluß, den rettenden Baumstamm in 10m Entfernung. Die ersten 2 Ballons sind schon im den Himmel gestiegen, den Rohrkrepierer vom Anfang nicht mitgezählt. 15 sollen es insgesamt sein. Die Band im Hintergrund läuft zu Höchstform auf und das Fußballfeld in der Mitte ist nun auch komplett mit Burmesen gefüllt. Die Sache ist nicht ungefährlich, denn aus den Ballons fallen schon mal brennende Teile und auch das Feuerwerk, dass in einer Schale unterhalb des Ballons gezündet wird, geht in der Regel nach unten los. Brandflecken auf der Kleidung nicht ausgeschlossen, aber den Burmesen freut es.

Wir schauen uns noch vier weitere Ballons an bevor wir langsam kalte Füße bekommen. Taunggyi liegt auf 1.500 m und obwohl wir dicke Klamotten tragen wird es verdammt frisch. Da es auf 22:30 Uhr zugeht, beschließen wir, den Heimweg anzutreten. Kommen wir nun aus gegebenem Anlass zu unserem Taxifahrer. Er ist das Problemkind unseres bisherigen Urlaubes, denn obwohl er schon lange Taxifahrer ist, gehört Autofahren offensichtlich nicht zu seinen Kernkompetenzen. Hupen kann er gut, überholen eher nicht. Jedesmal wenn er bremst ertönt im Bereich der Hinterachse ein glucksend-quietschendes Geräusch. Da er dies ziemlich häufig macht, denn auch vorausschauendes Fahren gehört nicht zu seinen Stärken, habe ich ihn irgendwann die Lachmöwe getauft. Als wir aufbrechen wollen taucht er auf und sagt wir könnten momentan nicht fahren, weil die Straße verstopft ist. In Kenntnis seiner Fahrkünste ziehen wir los, um den wahren Ernst der Lage zu checken und wir sehen das ganze Desaster. Die Blitzbirne hat sich zuparken lassen! Der VIP-Ausweis seiner Schwester scheint nicht wirklich viel Wert gewesen zu sein, denn während der letzen 3 Stunden ist aus der ersten Reihe mal eben die letzte geworden. Zig Fahrzeuge kreuz und quer abgestellt und die dazugehörigen Burmesen vermutlich bierselig auf der Festwiese. An ein Fortkommen ist wirklich nicht zu denken! Was tun?

Nach Rücksprache mit Soe Soe entschließen wir uns ein Taxi zu nehmen.“Wo ist der Taxistand?“ – „Dahinten wo wir das Bier getrunken haben, ein paar Meter links runter“. Nun wissen wir, dass der Asiate in manchen Dingen etwas speziell ist. Wird er nach dem Weg gefragt, wird er irgendetwas erzählen bevor er sagt „…ich weiß es nicht“. Andere Dinge werden positiv dargestellt, um eine freundliche Gesprächsatmosphäre zu schaffen. So entpuppen sich Soe Soes „ein paar Meter“ als 1 bis 1,5 km. Die Menge tobt, der Lärm- und auch der Alkoholpegel sind deutlich gestiegen und so wird es 23:45 Uhr bis wir die Hauptstraße erreichen. Ich habe mir zwischendurch die Frage verkniffen wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, um diese Uhrzeit ein Taxi zu bekommen. An der Hauptstraße gibt es Fahrzeuge in unterschiedlichen Größen und Qualitäten, die als Taxi fungieren. Die wenigsten würden wir unter normalen Umständen nehmen. Manche Pickups sind mit bis zu 20 Leuten beladen. Nach einigem Suchen und Feilschen ergattert Soe Soe einen Wagen der uns für umgerechnet 15,– Euro zum Hotel bringt. Ärgerliche Extrakosten, für welche wir das Trinkgeld der Lachmöwe einsetzen. Um 0:45 Uhr fallen wir todmüde ins Bett. What a day!!

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