Soe Thei ist gnädig und gibt uns Zeit bis 08:30 Uhr. Ausgeschlafen konnten wir daher in Ruhe das Frühstücksbuffet im Hotel genießen. Auf dem Plan stehen heute die Städte Sagaing und Ava, beides ehemalige Königsresidenzen im Umland. Vorher noch schnell den Königspalast in Mandalay. Fürs Protokoll: Wir besuchen zunächst eine Werkstatt für Holzschnitzerei und Seidenteppiche, dessen Besitzer ein netter älterer Herr fließend Englisch spricht, sich aber spätestens mit dem Hinweis „… I make you a very special price, Sir“ als Schlitzohr outet. Zwar hat er super schöne Sachen dort und speditiert auch nach Deutschland, doch angesichts abgezählten Geldes und
ohne Kreditkarte verzichten wir auf einen Kauf. Außerdem wird klar, dass Asien und Buddhismus in Europa seit einiger Zeit Hip sind, und daher auch in Asien keine wirklich günstigen Buddhastatuen mehr zu erstehen sind.
Weiter geht es zur Umin-Thounzeh-Pagode auf dem Hügel von Sagaing. Vorher machen wir noch einen kurzen Stopp in einem Nonnen-Kloster zur Massenspeisung. Die gleiche Prozedur wie gestern, nur wesentlich entspannter, da ungefähr 10 Touris dort waren. Die Umin-Thounzeh Pagode liegt auf einem Hügel und beherbergt
45 Buddhastatuen, welche für die Jahre zwischen dem 35. und 80. Lebensjahr Buddhas stehen, in denen er seine Lehre verbreitet hat. Auf dem Rückweg machen wir Halt in einer Silberschmiede, wo in Handarbeit feinste Produkte hergestellt werden, auch hier wieder mit angeschlossenem Shop. Wir erstehen ein kleines pagodenähnliches Stück zu Dekozwecken. Den ebenfalls in großer Auswahl vorhandenen Schmuck lassen wir trotz intensiver Verkaufsaktivitäten des Personals zurück.
Für unser Mittagessen haben wir uns ein Lokal direkt am Ayeyarwady-River ausgesucht. Es war eine Empfehlung aus unserem Reiseführer, die noch nicht einmal unser Guide kannte. Sagen wir mal, es war sehr ursprünglich. Eine Terrasse unter einem riesigen 100 Jahre alten Baum, mit einfachen Holzstühlen und einigen burmesischen Gästen. Irgendwo eine Küche, aus der – mal wieder – richtig gutes Essen kommt. Und es gibt Bier vom Fass. Nach dem Mittagessen geht es weiter Richtung Ava, im 13.
Jahrhundert Hauptstadt des Landes. Heute finden sich hier noch einige Pagoden und Palastruinen. Die Straßen sind allerdings in einem so desolaten Zustand, dass man auf Pferdedroschken als Fortbewegungsmittel zurückgreift.
Wir nehmen eine Kutsche und machen uns auf den Weg zum Bagaya Kloster welches ebenfalls komplett aus Teakholz gebaut wurde. Soe Thei schafft es, dass wir das Kloster erreichen, als die beiden Reisegruppen gerade den Rückzug antreten. Wir sind nahezu allein, abgesehen von den obligatorischen Souvenirverkäufern, die aber
auch völlig entspannt sind. So können wir ein wenig feilschen, erstehen ein paar Souvenirs und quatschen ein wenig mit den Einheimischen. Die Burmesen sind
– das hatten wir bereits gelesen – alle sehr nett und freundlich und haben bei weitem nicht die Aufdringlichkeit der Thailänder. Letzter Punkt des heutigen Programms ist ein Besuch der U-Bein Brücke. Sie erstreckt sich 1,2 km über den Ayeyarwady-River und ist komplett aus Teakholz gebaut. Damit ist sie die längste Holzbrücke der Welt. Am Abend kommen jede Menge Touristen und Einheimische, um von dort den Sonnenuntergang über dem Fluss zu beobachten. Wir mieten uns ein kleines Ruderboot (das Letzte!)und lassen uns über den Fluss schippern, zurück gehen wir über die Brücke. Großartiges Erlebnis!
Nachdem wir uns im Hotel etwas frisch gemacht haben, nehmen wir ein Taxi in die Stadt, um noch eine Kleinigkeit zu essen. Bine hatte eine Empfehlung für 2 Restaurants mit Shan-Buffet rausgesucht. Die Lokalität erweist sich wieder einmal als sehr rustikal mit einer hohen Qualität. Mit Englisch wird die Luft allerdings schon dünn, da helfen dann auch schon mal Hände und Füße. Da es hier kein Bier gibt, geht es nach dem Essen noch in die Kneipe gegenüber. Da gibt es frisch gezapftes Myanmar Bier für 50 Ct. der Krug. Mit der nötigen Bettschwere machen wir uns auf den Weg nach Hause, schließlich ist morgen früh wieder Reisetag. Nun treffen mehrere Dinge aufeinander: Erstens werden in Myanmar relativ zeitig die Bürgersteige hochgeklappt und zweitens gibt es dort keine Taxistände wie wir sie kennen.
Hinzu kommt das Taxi nicht gleich Taxi ist. Es gibt Motorroller, Pickups, Autos, etc. und die wenigsten tragen ein Taxizeichen, geschweige denn ein beleuchtetes. Übliche Praxis ist es daher, einen Preis für Hin– und Rückfahrt auszuhandeln und den Fahrer warten zu lassen. Hätten wir mal besser auch gemacht. Wir gehen also zu Fuß in Richtung Hotel und versuchen unser Glück, allerdings ohne Erfolg. Nach einer Weile gehe ich in ein Restaurant und versuche ein Taxi zu ordern, doch die Dame scheint mich nicht zu verstehen. Am Tisch steht ein Mann auf und sagt „Taxi? No Problem, please wait 30 minutes“ Die braucht er vermutlich, weil er gerade einen Krug Bier bekommt. Ein weiterer steht bereits leer auf dem Tisch. Das ist also auch keine Option. Nachdem wir dankend ablehnen – man will ja nicht unhöflich sein – stehen wir am Straßenrand und schauen in das Plänchen in unserem Reiseführer, wie wir am besten die restlichen 3 km zum Hotel zurücklegen. Im Rücken der halbe burmesische Biergarten, der uns tatkräftig unterstützt. Da taucht ein junger Burmese mit einem Fahrrad auf und erklärt uns in fließendem Englisch, dass er uns gerne ins Hotel fährt. Bei genauer Betrachtung entpuppt sich das Fahrrad als eine Art Rikscha. An einer Seite sind Rücken an Rücken zwei, ich würde mal sagen Kindersitze, angebracht. Bine lehnt direkt ab, weniger aus Angst vor der Fahrt als bei dem Gedanken einen hilfsbereiten Burmesen derart zu misshandeln, indem er zwei gut genährte Deutsche durch die Stadt kutschieren muss. Letztendlich siegt aber die Bequemlichkeit. Wir steigen ein, der Burmese ächzt und schwitzt, hat aber noch genug Energie für ein kleines Schwätzchen. 32 Jahre, hochgebildet und vor einem Monat aus Thailand zurückgekommen, wo er die letzen 3 Jahre gelebt hat nachdem er Myanmar wegen des politischen Systems verlassen hat bzw. musste. Tja hier gibt es jede Menge Potential, was sich nicht entfalten kann.
So geht wieder ein aufregender Tag zu Ende. Das alles hört sich verdammt anstrengend an, aber ich kann Euch beruhigen, dass ist es auch. Spätestens am nächsten Tag
brauche ich unseren Reiseführer und die geschossenen Fotos, um nach zu verfolgen was wir alles gesehen haben. Aber es macht unglaublich Spaß.
