Um 07:15 Uhr geht der Wecker, um 08:30 Uhr soll es weiter gehen nach Kakku und anschließend weiter zum Inle-See, so dass wir nochmal das Hotel wechseln. Das ist nicht weiter schlimm, denn obwohl Taunggyi die drittgrößte Stadt Myanmars ist, hat sie touristisch – abgesehen vom Ballonfestival – nicht viel zu bieten. Demzufolge ist das Hotel zwar vermutlich eines der besten am Platz, aber eher auf asiatische Geschmäcker ausgelegt. Kakku ist ein Pagoden-Komplex mit 2.500 Pagoden auf engstem
Raum und eine der religiösen Stätten der hier lebenden Pa O. Auf dem Weg dorthin machen wir Stopp an einem Kloster, wo sich bereits einige Pa O versammelt haben.
Angesichts des besonderen Feiertages wird für die Mönche ein Essen zubereitet. Mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt, dass man als Westler eher exotisch wirkt und damit sofort integriert wird. Wir schauen kurz in der Küche vorbei, greifen etwas Fingerfood ab und trinken mit den netten Damen ein, zwei Tassen Tee. Nachdem ich die erste fotografiere und das Ergebnis auf dem Display zeige geht das Gekicher los. Danach gehen die Finger rum. „Fotografier die, und die auch noch“. Großartig.
Bevor wir gehen lassen wir uns noch kurz beim Obermönch sehen. Er sitzt auf seinem Teppich zusammen mit den örtlichen Förderern des Klosters, alles Männer natürlich. Wir plauschen über Deutschland im Allgemeinen und die Bundesliga im Besonderen. Die sieht er nämlich jede Woche über Satellit. Nachdem er uns eine weiterhin gute Reise gewünscht hat, ziehen wir los, nicht ohne dass uns die freundlichen Burmesinnen aus der Küche noch ein Doggy-Bag mit frittiertem Gemüse (Tempura), Chilisoße, Erdnüssen und einigen weiteren Spezialitäten mit auf den Weg geben. Als wir Kakku erreichen, herrscht dort reges Treiben. Angesichts der Vollmond-Festivitäten haben sich dort Hunderte von Pa O eingefunden. Natürlich gibt es wieder einen Markt und Höhepunkt des Tages ist eine Prozession rund um den Pagoden-Komplex. Eine lange Schlange von – natürlich – Männern. Unter ihnen welche mit Trommeln, Gongs und anderen Instrumenten die Musik, wir würden sagen Krach, machen. Es ist eine ganze Reihe von Spenden zusammengekommen, die hier geweiht werden sollen, bevor sie an die umliegenden Dörfer verteilt werden. Dazu sind sie auf Bambusgestelle montiert worden, welche von jeweils 4 Burmesen auf den Schultern getragen werden. Die Palette reicht von Geld, über Waschmittel bis hin zu Thermoskannen.
Vergleichbar mit den sinnvollen Weihnachtsgeschenken, die es bei uns manchmal so gibt. Hier in Myanmar nennt man das „Treasure Tree“ also wörtlich übersetzt Schatzbaum. Die Truppe bewegt sich zum Klang der Musik als hätte sie schon das ein oder andere Pfeifchen geraucht und an bestimmten Stellen stimmt der ganze Chor mit ein. Ich habe da kein System erkannt, bin allerdings auch nicht so textsicher.
Die ganze Prozedur ist allerdings so beeindruckend, dass das eigentliche Ziel nämlich die Pagoden fast etwas in den Hintergrund geraten. 2.500 Stupas auf einer Fläche
von ca. 200 mal 200 m, die meisten mit goldenen Spitzen. Das ist nichts anderes als bei uns im Mittelalter. Die Leute geben ihr letztes Hemd für Ihren Glauben und bauen pompöse religiöse Stätten oder eben Kirchen, nur das hier eben kein Kirchenstatt mitfinanziert wird. Wir nehmen hier noch unser Mittagessen ein ordern aber lediglich 3 Suppen, 2 davon beim Nachbar-Restaurant und essen dazu unsere Mitbringsel aus dem Kloster. Danach verlassen wir Kakku in Richtung Inle-See.
Ein altes asiatisches Sprichwort sagt „Alle Wege führen nach Taunggyi“ und so müssen auch wir auf unserem Weg zum See noch ein letztes Mal an Taunggyi vorbei. Die Festwiese mit den Buden sieht im Hellen noch beeindruckender aus, die Hinterlassenschaften der letzten Nacht eher nicht. Wir gönnen uns eine halbe Stunde, um uns die heutigen Ballons anzuschauen. Diesmal sind es Tiere, vorzugsweise aus der buddhistischen Lehre, die in den Himmel steigen. Elefanten, Kühe, Tiger und Vögel lernen hier das fliegen. Und jede Menge Lokalkolorit kann man hier studieren.
Danach geht es weiter zum Inle-See. Er ist der zweitgrößte Binnensee Myanmars, 22 km lang, bis zu 11 km breit und liegt auf 900 m Höhe. Um den See erheben sich bis zu 2.000 m hohe Berge und es leben ca. 100.000 Menschen dort. Die Intha, was soviel heißt wie „die Menschen vom See“ leben vom Fischfang und vom Gemüse, was sie in ihren schwimmenden Gärten züchten. Wir werden die nächsten 3 Tage am See verbringen. In Nyaun Shwe, dem größten Ort am See sagen wir der Lachmöwe Adieu und steigen um auf ein Wassertaxi, welches uns zu unserem Resort bringen wird.
Nach ca. 30 Min. Fahrt erreichen wir die Hotelanlage die direkt am See liegt und bereits vom Boot aus verschlägt es uns die Sprache. Was soll man sagen? Der Eingang ist im Pagodenstil gestaltet. 54 Bungalows über ein riesiges Areal verstreut. Die vorderen stehen mitten im See und sind über einen langen Steg, eher eine Promenade, zu erreichen. Unser bescheidenes Etablissement für die nächsten 3 Tage liegt in der ersten Reihe. 80 qm mit separatem Wohnzimmer, Badezimmer mit Jacuzzi und die Terrasse zum Sonnenuntergang über dem See ausgerichtet. Man gönnt sich ja sonst nichts!
Wir gönnen uns 2 Dosen Myanmar Beer aus der Minibar und testen den Whirlpool, Schampus war leider nicht erhältlich. Da wir etwas ab sind vom Schuss sind werden wir wohl die nächsten Abende im Hotel essen, aber die Karte ist deutlich vielseitiger und die Preisgestaltung deutlich angenehmer als in Bagan. Na dann, schönen Urlaub.
