Für heute haben wir uns den schönsten Strand der Welt vorgenommen, die Anse le Source d’Argent auf La Digue – der Silberstrand. Dieser Strand ist im wahrsten Sinne tot fotografiert worden und trotzdem werden wir heute unseren Teil dazu beitragen. Kein Seychellen-Prospekt in dem dieser Strand nicht auftaucht, keine Werbecrew die nicht schon ihr Unwesen hier getrieben hätte. Bekanntestes Beispiel der Barcadi Spot.
Da der ein oder andere Tourist ähnliche Sehnsüchte hat, wollen wir früh dort sein. Das heißt um 06:40 Uhr, als der erste von uns wach wird, aufstehen, kurze Dusche, Tasche packen und los. Dummerweise ist der Fahrradverleih, den wir fest eingeplant haben, noch geschlossen. Also geht es zu Fuß los in der Hoffnung, dass wir unterwegs irgendwo ein Fahrrad ergattern können. Die erste Gelegenheit bietet zwar tolle Farben (rosa), aber eher bescheidene Qualität. 5 Gänge sind Bine dann doch zu wenig. Einige hundert Meter weiter bietet sich eine weitere Möglichkeit, doch als es ans Bezahlen geht, stellen wir fest, dass wir aneinander vorbei geredet haben. 2 Fahrräder kosten hier üblichweise 150 Rupien = 9 Euro pro Tag. Das will der Kollege hier für ein Rad haben. Hallo, ich will den Esel nicht kaufen, das nennt man Ausnutzung einer Notlage! Nicht das ich geizig wäre, aber wir laufen!
Irgendwann erreichen wir den Union Estate Park auf dessen Gelände der Strand liegt und zahlen unseren Eintritt, während uns der Schweiß bis in den letzten Winkel kriecht. Ein kleiner brauner Hund und sein tapsiger Kumpel begleiten uns zum Strand. Das ist eine ständig wiederkehrende Prozedur sobald uns irgendwo ein Hund über den Weg läuft. Meistens hängen sie an Bines Rockzipfel und folgen uns eine Weile. Der tapsige Freund wird irgendwann von ein paar größeren Hunden in die Flucht geschlagen, aber der kleine Braune bleibt bei uns.
Als wir den Strand erreichen ist es 08:20 Uhr, wir sind jetzt mittlerweile eine Stunde unterwegs. Vermutlich hätte es gereicht, wenn wir erst einmal im Hotel gefrühstückt und gegen 08:00 Uhr ein Fahrrad genommen hätten. Aber, you’ll never know! Hier ist alles menschenleer und auch die Sonne klettert erst jetzt langsam über die Hügel. Der Strand ist klein, weißer Sand und die Küstenlinie besteht aus einer grünen Palmenwand. Aber was diesen Strand so besonders macht, sind die riesigen Granitfelsen, die sich im Hinterland auftürmen als hätten Riesen hier gekegelt und sich dann bis hinunter an den Strand ziehen. Am Eingangsbereich hat man eine kleine Strandhütte für Trauungen aufgebaut und aktuell werden die Strandbereiche gerade gereinigt und geharkt. Der Hammer! Innerhalb der nächsten 60 min erkunden wir den Strand und suchen uns die schönsten Blickwinkel. Durch die aufgehende Sonne verändert sich die Ansicht minütlich. Einzige Konstante ist der kleine braune Hund, der mit aufs Foto will. Langsam kommen weitere Touristen und als wir gegen 09:45 Uhr beschließen, den Rückweg anzutreten, kommen uns Heerscharen von Fahrradfahrern entgegen. Viel Spaß am Strand!
Das mit dem Frühstück in unserem Hotel können wir vergesssen, die räumen um 10:00 Uhr ab. Dafür kehren wir unterwegs in ein Hotel ein und fragen. ob wir dort – natürlich gegen Geld – mitfrühstücken dürfen. Geht klar. Frisch gepresster Fruchtsaft (Ananas und Guave) sowie zweimal überbackenes Sandwich mit Käse, Tomaten und Schinken. Mann, ist das lecker. Die Bedienung ist extrem freundlich, daher runde ich beim Bezahlen großzügig auf, nur um kurze Zeit später festzustellen, dass ich ungefähr noch 5 EUR Bargeld habe. Das reicht noch für ein Getränk, aber keinesfalls für Fahrräder. Also erst einmal Geld beschaffen. Auch hier brauchen wir 3 Versuche bis wir einen Geldautomaten finden, der unsere EC-Karte akzeptiert. Master- oder Visacard wäre o.k. aber die notwendigen PIN-Codes sind irgendwo gut versteckt. Super vorbereitet. Aber auch diese Hürde nehmen wir irgendwann und tanken endlich Bargeld nach.
Nach diesem kleinen Workout machen wir uns kurz frisch und besorgen uns dann zwei Fahrräder, um den restlichen, südlichen Teil der Insel zu erkunden. Auf dem Weg zur Grand Anse, noch einem dieser Traumstrände kommen wir an einem dieser Saftläden vorbei, hinter dem die Einheimischen ihr Obst häckseln und verkaufen. Bei diesem hier hört man schon von weitem Reggae-Musik und eine Wimpelkette mit den unterschiedlichsten Nationalflaggen ziert den Strand. Dazu ein Banner vom FC Bayern sowie eins vom BVB. Der Mann kennt sich aus. Als Starter sozusagen gibt es ungefragt einen kleinen Teller mit aufgeschnittener Banane und Mango und später zwei wirklich riesige Gläser mit gemischtem Fruchtsaft. Auch hier hatten wir keine Wahl, vermutlich hat Monsieur das verarbeitet, was ihm heute zur Verfügung stand. Der ganze Spaß kostet uns 150 Rupien, was im Vergleich zu anderen Ecken verdammt günstig ist.
Derart gestärkt geht es nun weiter die letzten Meter zur Grand Anse, zu deutsch: der große Strand. Am Saftladen haben wir bereits ein Pärchen getroffen ,welches uns vorgewarnt hat. Toller Strand, sehr voll, wenig bis kein Schatten. Der Wald im Hinterland ist volgestellt mit Fahrrädern, die das Schlimmste vermuten lassen, als wir die letzten Meter bis zum Strand laufen. Als wir über die letzte Kuppe kommen, haben wir den kompletten Überblick. Der Strand ist geschätzte 2 km lang, weißer Sand und türkisblaues Wasser, welches mit einer kräftigen Brandung an Land klatscht. Da wo wir den Strand betreten, steht eine Palme, die aufgrund des Sonnenstandes ungefähr hundert Quadratmeter Schatten wirft. Daher ist dies ein Hotspot für schattensuchende Besucher. Der Rest tumelt sich vermutlich im nahe gelegenen Restaurant oder ist im Wasser. Ich hab’s mir aber schlimmer vorgestellt. Wir gehen eine Runde schwimmen und liegen eine Weile im Sand, aber irgendwann wird uns der Trubel der Schattensucher dann doch zu doll, so dass wir zurück Richtung Hotel fahren. Für ein paar Stunden am Tag ist diese Nobelherberge eine willkommene Anlaufstelle: Weiche Liegen im Schatten, Pool ohne Salzwasser und bei Bedarf ein kühles Getränk mit dem Unterkörper im Wasser. Geht schlechter.
Da die heute morgen erworbenen Eintrittskarten für den Park den ganzen Tag gültig sind, beschließen wir, den Sonnenuntergang an der Anse Source d’Argent zu verbringen. Mit dem Fahrrad ist man ja schnell da (haha). Als wir gegen 18:00 Uhr dort ankommen, sind die meisten Touristen bereits fort, wen wir wieder treffen ist unser brauner Freund von heute morgen, der uns auch offensichtlich wieder erkennt. Die Bilder haben wir bereits im Sack und aufgrund des schwindenden Lichte sind keine besseren zu erwarten, also einfach mal hinsetzen und genießen. Mit dem Einsetzen der Dunkelheit machen wir uns auf den Heimweg. Auf den letzten Metern müssen wir noch unsere Taschenlampen aktivieren, da hier zwischen etwas dunkel und stockdunkel maximal sieben Minuten liegen. So geht ein weiterer spannender Tag zu Ende.
