Heute müssen wir Franschoek leider verlassen. Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt, aber die ersten 4 Tage sind bereits um. Auf der anderen Seite läuft das hier bereits in geregelten Bahnen und wir freuen uns auf neue Erlebnisse.
Die nächste Etappe geht bis Montagu, das sind nur 135 km von hier, aber wir wollen es ja langsam angehen lassen. Allerdings ist keine Etappe so klein, dass man nicht noch ein Weintasting einschieben könnte. Ich hoffe, Ihr habt jetzt keinen falschen Eindruck von uns.
In Robertson, das liegt ca. 30 km vor Montagu, gibt es das Weingut Graham Beck. Eigentlich ist es kein Weingut, sondern ein Sektgut, denn damit hat er sich einen Namen gemacht. Wir erreichen das Gut gegen 12:45 Uhr, d.h. die 12-Uhr-Marke haben wir mal locker gerissen. Das Anwesen mit seiner ansprechenden Architektur liegt inmitten von Weinbergen. Das muss man den Jungs lassen, Geschmack haben sie.


Wir entscheiden uns für 3 verschiedene Flaschen aus der Basis-Linie sowie 3 Proben vom Jahrgangssekt. Das ganze läuft hier unter der Bezeichnung MCC – Method Cap Classique, was nichts anderes ist als Flaschengärung im Champagner-Verfahren. Darf nur nicht so heißen, weil hier Südafrika und nicht Frankreich ist. Ist aber egal, schmeckt mindestens genauso gut. Nach Abschluß des Tastings entscheiden wir uns zum Kauf von 2 Flaschen, was uns die Gebühr fürs Tasting erspart.

Nachdem wir beim Tasting einige schlaue Fragen gestellt und uns als bekennende Weinfans geoutet haben, hatte die freundliche Dame direkt einige Tipps parat, was in dieser Gegend noch so geht. Also sitzen wir ungefähr 10 Min. oder 5 km später auf der Springfield Estate, welche für Ihren Sauvignon Blanc bekannt sind.

Einzigartig ist die Lage des Weinguts mitten im Grünen, mit einer Holzterrasse an einem riesigen Teich. Am Ende nehmen wir noch zwei weitere Flaschen mit auf den Weg, aber nicht, weil der so unglaublich gut war, sondern weil die Probe kostenlos war und wir uns irgendwie veerpflichtet fühlten. Ich hab‘s ja schon mal beschrieben. So schlecht war er allerdings auch nicht.
Wir nehmen die letzten 30 km in Angriff, die Landschaft hat sich bereits deutlich verändert. Hier beginnt die kleine Karoo, das ist eine riesige Halbwüste. Die Straße führt teilweise kilometelang geradeaus, in der Ferne Felsformationen und karge Vegetation, wenn hin und wieder rotes Gestein hinzu kommt, könnte das auch im Monument Valleey sein.



Gegen 15:30 Uhr erreichen wir Montagu – kein schlechter Schnitt für 130 km. Wir haben hier für eine Nacht eine Unterkunft, bevor es morgen weiter geht nach Outdtshoorn, wo wir zwei Nächte bleiben. Der wesentliche Grund für den Stop hier war der, dass wir nicht 400 km an einem Tag fahren wollten. Und das ist offensichtlich auch das Problem von Montagu, dass hier hauptsächlich Pit-Stopp-Touristen absteigen- Der Ort ist total nett, sauber und kuschelig, das Aushängeschild sind schwefelhaltige Quellen in der Nähe und die Felsen im Umland sind angeblich eine echte Herausforderung für Kletterer und Free Climber. Aber irgendwie will es nicht so richtig zünden und es ist nichts los hier.



Unsere Unterkunft ist Abigails Garden Cottage, etwas den Berg hinauf, ruhig gelegen. Abigail herself empfängt uns am Tor und führt uns durch die Räumlichkeiten. Sie ist wie das Gartenhäußchen schon etwas in die Jahre gekommen, aber „she looks younger than ever“
Das kleine Cottage ist quasi ein großes Einraum-Apartment mit perfekt eingerichteter Küche und durchaus perfekt für einen längeren Aufenthalt als Selbstversorger. Viele nette kleine Accesoires wie Kristallkaraffen mit frischem Wasser auf den Nachttischen, schaffen ein außergewöhnliches Ambiente.
Da in dem Ort nicht viel los ist, gibt es nur eine reduzierte Infrastruktur und so entscheiden wir uns nach einem kleinen Rundgang für das „Mistery Tin“ wo man draußen sitzen und selbstgebrautes Bier trinken kann. Danach gibt es auch noch was zu essen und gegen 19:30 Uhr sind wir wieder auf unserer Hazienda. Der Kühlschrank hat zwischenzeitlich gearbeitet und sowohl der Weißwein wie auch der Brandy haben angenehme Trinktemperatur erreicht. Wir verbringen den Rest des Abends vor unserer Laube, bevor wir irgendwann müde in die komfortablen Betten fallen.

