Team2-On-Tour

Jenseits von Afrika

Heute beginnt ein weiterer spannender Teil unserer Reise, die Fahrt Richtung Addo Nationalpark. Der bekannteste Park in Südafrika ist sicherlich der Krüger Nationalpark, aber der liegt so weit ab von unserer Route, dass wir hätten fliegen müssen, was uns zuviel Zeit gekostet hätte. Außerdem habe ich den Eindruck, dass er arg überlaufen ist. Der Addo NP ist bekannt für seine Elefantenpopulation, aber auch der Rest der Big Five (Löwe, Leopard, Büffel und Naßhorn) sind dort zu Hause. Wir haben uns anstelle des Addo für ein Private Game Reserve entschieden, was nichts anderes ist, als ein in sich geschlossener Safari-Park mit eigenem Wild-Bestand. Das Amakhala Game Reserve hat eine Größe von 8.500 Hektar und darin befinden sich 10 Unterkünfte unterschiedlicher Kategorien. Unsere besteht aus einer Lodge mit 4 Zelten, wobei Zelt prinzipiell die richtige Bezeichnung ist, aber nicht wirklich den Kern trifft. Das Ganze hat eine Grundfläche von schätzungsweise 50m2, der Boden besteht aus Holzdielen und hinter dem Bett hat man eine Wand gezogen, um den Raum vom Bad abzugrenzen. Hier gibt es eine Toilette, eine Badewanne und einen Doppelwaschtisch. Lediglich die äußere Hülle besteht aus Zeltplane mit Netzelementen, durch die kühle Luft zirkuliert. Hätte ich jetzt Mozart auf meinem iPad, käme ich mir vor, wie Robert Redford in „Jenseits von Afrika“. So müssen früher die Reichen gereist sein.

 Bis es soweit ist, müssen wir allerdings noch 440 km hinter uns bringen. Treffpunkt ist um 13:00 Uhr am Tor, wo wir von einem Ranger abgeholt werden. Da 440 km in Afrika etwas anderes sind, als mal eben nach Nürnberg zu fahren, stellen wir den Wecker auf 5:30 Uhr, damit wir um 7:00 Uhr loskommen. Am Ende wird es aber dann doch 7:30 Uhr und das ist genau die halbe Stunde, die uns am Ende fehlt. Nachdem wir aus Oudtshoorn raus sind und zwei Baustellen hinter uns gebracht haben, läuft es rund und man kann locker 130 km/h fahren. Google kalkuliert relativ schnell eine Ankunftszeit von 13:24 Uhr, was ich aber angesichts der Durchschnitts-geschwindigkeit als klaren Rechenfehler werte.

Erste Zweifel kommen auf, als wir ca. 200 km vor Ankunft die Nationalstraße N2 verlassen und auf eine – wir würden sagen – Landstraße abbiegen. Betonplatten auf die gerade mal ein Auto passt. Kommt einer entgegen, befindet sich die Hälfte des Wagens im Schotterbett. Das ganze natürlich nicht im besten Zustand und entsprechend holprig. Trotzdem kann man hier, wenn man sich an das Geschüttel gewöhnt hat, gute 100 km/h fahren. Nach ca. 40 km sind wir durch und ich schöpfe wieder Hoffnung, Google bleibt aber beharrlich bei 13:24 Uhr. Irgendwann wird klar, dass es zumindest knapp werden wird, also rufe ich vorsichtshalber in der Lodge an und kündige uns mit 30 min Verspätung an – gute Entscheidung!

Die letzten 20 km sind selbst für unseren hochbeinigen Nissan eine Quälerei und Schwangeren würde ich diese Strecke nicht empfehlen. Rote Schotterpiste mit Schlaglöchern so groß wie Kindersärge in dichter Folge. Mehr als 25 km/h sind durch meine touristische Brille gesehen nicht drin. Wahrscheinlich bin ich ein Weichei, denn es gibt den ein oder anderen Eingeborenen, der in einem Affenzahn an uns vorbeizieht und für die nächsten 30 Sekunden eine dichte Staubwolke erzeugt. Irgendwann sind wir durch und die Durchschnittsgeschwindigkeit ist auf 80 km/h gesunken, worauf wir uns nunmehr auch  mit Google einig sind. Wir erreichen das Camp um 13:30 Uhr.

Byron unser Ranger erwartet uns bereits. Wir packen unser Gepäck in einen Toyota Landcruiser, der über die letzten 20 km vermutlich geschmunzelt hätte und lassen unseren Wagen für die nächsten 3 Tage auf einem gesicherten Parkplatz stehen. Die Fahrt zur Lodge dauert etwa 15 Minuten und bereits währenddessen sehen wir die ersten Bewohner wie Antilopen, Zebras oder Stachelschweine. Die Ankunft erfolgt standesgemäß mit feuchten Tüchern und kühlen Getränken zum Einchecken, danach
Bezug des Zeltes.

Für 14:30 Uhr ist Mittagessen angesetzt, welches wir gemeinsam an einem großen Tisch in der Lounge einnehmen, wir sind aktuell zu sechst, außer uns noch zwei Pärchen aus England. Danach können wir Ruhen und um 16:00 geht es auf die Nachmittags-Safari. Wir sitzen zusammen in einem Landcruiser, 3 Sitzreihen die nach hinten ansteigen, so dass jeder ungestörte Sicht hat und los geht’s. Die Tour dauert 3 Stunden, incl. Sundowner bei untergehender Sonne.

 Neben dem Getier was hier in Mengen zu finden ist (verschiedene Antilopenarten, Warzenschweine und Schakale) sehen wir eine Giraffenfamilie mit Jungem. Die Löwen, die am Morgen gesichtet wurden und die hier noch  irgendwo sein müssen, zeigen sich trotz mehrerer Runden ums Wasserloch leider nicht. Aber es ist allein schon beeindruckend, still im Jeep zu sitzen, der Natur zu lauschen und die Gegend zu beobachten, in der Hoffnung, dass sich was bewegt. Gegen 19:00 Uhr  sind wir zurück im Camp, um 20:00 Uhr gibt es ein feistes 3-Gang-Menü. Noch vor 22:00 Uhr verschwinden alle in ihren Zelten, denn die Nacht ist früh vorbei. Ein aufregender Tag geht zu Ende.

Um 5:00 Uhr ist die Nacht vorbei, der Zimmerservice kommt mit frisch gebrühtem Kaffee. Die erste Nacht in der Wildnis war herrlich. Kühle, klare Luft und die Geräusche der Wildnis. Die Löwen sind tatsächlich noch in der Nähe, man hörte sie nachts ab und an brüllen. Um 5:30 Uhr gegen Anbruch der Dämmerung starten wir zur Morgensafari. Byron hat einen Handscheinwerfer, mit dem er die Umgebung ausleuchtet, um Tiere aufzuspüren, deren Augen das Licht reflektieren. Das funktioniert ganz gut und wir finden den ein oder anderen der mittlerweile üblichen Verdächtigen. Nach einer guten Stunde stoßen wir dann auf die Löwen.

Eine Löwin liegt faul und vermutlich satt direkt neben dem Fahrweg, eine andere in ca. 150 m Entfernung im Gras. Ich  persönlich finde es erstaunlich was unser
Ranger mit bloßem Auge erkennt, wo ich mich schon mit dem Fernglas schwer tue – kann aber auch am Fernglas liegen. Nachdem ich mir mal die High-Tech-Produkte unserer Mitfahrer ausgeliehen habe, bin ich der Meinung das unser Fernglas aus dem Hause TCM maximal zur Beobachtung von Vögeln im heimischen Garten geeignet ist.

Wir warten eine Weile bei den Löwen, aber außer einigem Gähnen gibt es keine Reaktionen. Die Fahrt geht weiter hinauf auf eine Bergkuppe von wo aus man einen fantastischen Blick über die gesamte Ebene hat. Hier gibt es nochmal frisch gebrühten Kaffee und Tee und wir genießen den Blick. Auf dem gegenüberliegenden Hügel steht ein Rudel Elefanten im Dickicht und futtert.

Um 8:30 Uhr sind wir zurück in der Lodge, rechtzeitig um uns vor dem Frühstück noch etwas frisch zu machen. Jetzt sitze ich hier im Schatten und schreibe und was soll ich sagen, in diesem Moment kommt ein Elefant und trinkt aus unserem Pool. Ich kenne die Fotos, aber hatte nicht erwartet, dass ich das selbst erlebe.

Wie ihr seht, ist der Tagesablauf stark reglementiert und ziemlich einseitig. Ich denke trotzdem, dass man es hier die nächsten Tage aushalten kann und melde mich zum Ende wieder – hoffentlich mit jeder Menge toller Fotos.

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