Team2-On-Tour

… und Abends zum Burmesen

Heute haben wir einen freien Tag ohne Guide und Fahrer, den wir bewusst eingebaut haben, um mal ein wenig runterkommen und eventuell die ein oder andere Pagode auf eigene Faust zu erkunden. Ursprünglich wollten wir zu diesem Zweck für einen halben Tag Fahrräder mieten, das haben wir aber gestrichen, weil Bine immer noch ein wenig das Fett im Magen liegt. Stattdessen relaxen wir am Pool, gehen schwimmen und genehmigen uns zur Mittagszeit Bananen, einige Erdnüsse und ein gekühltes Myanmar Beer.
Für den Nachmittag haben wir uns eine Pferdekutsche reserviert. Der Fahrer spricht passables Englisch und wir zeigen ihm, bei welcher Pagode wir den Sonnenuntergang sehen wollen und wo er uns zum Essen absetzen soll. Die restliche Gestaltung der gebuchten 4 Stunden überlassen wir ihm. Die Fahrt geht über enge Feldwege, die wir mit dem Fahrrad nie gefunden hätten, oder nie gefahren wären, aus Angst nicht wieder zurückzufinden. Die Kutsche bietet, wie die meisten Fortbewegungsmittel die ich bisher in diesem Land kennengelernt habe, den Komfort einer Sänfte. Unzählige Pagoden und Stupa stehen am Wegesrand, wir besichtigen nochmal eine der größeren.
In einem alten Teak-Holz Kloster, treffen wir auf einen jungen, ehemaligen Mönch, der uns eine Führung durch die alten Räume gibt. In einem unscheinbaren Schrank finden sich noch alte religiöse Schriften, die nach alter Tradition hergestellt wurden. Bei einem Plausch vor dem Kloster, zeigt er uns seine Sammlung von Geldscheinen und Münzen aus aller Welt. Statt eines Trinkgeldes geben wir ihm einen 5 Euro-Schein und einige Münzen. Im Gegenzug bekomme ich von ihm einen 5 Kyat-Schein, den ich immer bei mir tragen soll, weil er seinem Besitzer Glück bringen soll. So sind alle zufrieden.
Den Sonnenuntergang erleben wir wieder auf einer der vielen Pagoden. Erstmalig ist es ein richtiger, d.h. Sonne verschwindet blutrot hinter dem Horizont, ohne vorher zwischen den Wolken zu verschwinden. Wir verschießen gefühlte tausend Fotos, um in etwa diese Atmosphäre festzuhalten, was uns aber vermutlich nur schwer gelingen wird. Also sitzen wir letztendlich einfach dort und genießen. Wir lassen uns von unserem Kutscher zu einem kleinen Restaurant zwischen Alt- und Neu-Bagan bringen, mal wieder eine Empfehlung aus unserem Reiseführer. Der Laden ist spezialisiert auf vegetarisches Essen hat aber auch Fleisch und Fisch auf der Karte. Bereits bei der Ankunft wird deutlich, dass man hier nicht mal so eben ein Taxi bekommt, so überzeugen wir unseren Kutscher auf uns zu warten und uns wieder mit
zurückzunehmen. Er parkt sein Pony nebenan und setzt sich in die nebenan gelegene Kneipe. Die Hälfte seines Lebens verbringt der Burmese mit Warten.

Nun zum Essen. Der Wirt und seine Ehefrau ein älteres Ehepaar in den Sechzigern grinsen über beide Ohren, als wir uns zum Essen anmelden. Er spricht einige Brocken englisch und plaudern wir ein wenig. „Were are you from?“ – „Germany“ – „Aaoooh Germany!“. „Which town do you live, Berlin?“ – „No, near Cologne – „Aaoooh Cologne!“. In dem Stil geht es noch einige Zeit weiter. Als wir ihm m zeigen, dass sein Restaurant sowie er und seine Frau namentlich in einen deutschen Reiseführer erwähnt werden, ist er völlig aus seinem bescheidenen Häuschen. Zunächst bringt er mir eine von seinen landestypischen Cheroot-Zigarren, die alles Mögliche enthalten, nur
selten Tabak. Und dann kommt das Essen. Wir haben uns ja mittlerweile daran gewöhnt, dass das Essen hier täglich besser, günstiger oder beides wird, auch wenn man nicht mehr daran glauben mag. Aber die Beiden schießen eindeutig den Vogel ab. In meinem Fisch-Curry tummeln sich fünf Fische – wohlgemerkt nicht Fischchen – und aus dem Kürbis in Bines Kürbis-Curry schnitzen wir zu Halloween Masken! Dazu wie immer jede Menge Zugaben. Zum Schluss bekomme ich noch einen Flaschenöffner aus Holz mit einem geschnitzten Elefanten und Bine einen Armreif aus Laquerware (Lackarbeit). Einfach unglaublich! Wir verabschieden uns nach dem obligatorischen Gruppenfoto und versprechen, ihn weiter zu empfehlen. Satt und zufrieden lassen wir uns zurück ins Hotel kutschieren wo wir unsere Koffer packen und auf unserer Terrasse die letzten zwei Flaschen Bier trinken, die ich natürlich mit meinem neuen Flaschenöffner aufmache.

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