Es ist irgendwas um 05:30 Uhr, als mich die Natur aus dem Bett treibt. Danach komme ich nicht mehr zum Schlafen, weil mir irgendwie 1.000 Dinge durch den Kopf gehen. Ich gehe raus auf den Balkon, um den neuen Tag zu begrüßen, der ist aber auch noch nicht da. Also nutze ich die Zeit, um etwas Blog zu schreiben, denn ich bin ja einiges hinterher. Grundsätzlich ist mein Plan aufgegangen, und das eigentliche Schreiben funktioniert deutlich schneller. Was bleibt, ist das Problem mit der Zeit. Ich sitze auf dem Balkon und genieße den Ausblick auf die Bucht von Salerno. Auch wenn Neapel noch vor uns liegt, bin ich mir sicher: Dies hier ist die beste Unterkunft unseres Urlaubs. Wir haben ein geräumiges Zimmer in einem alten Herrenhaus inklusive Terrasse mit einem gigantischen Ausblick. Es gibt insgesamt drei Zimmer und eine gemeinsame Küche, die alle Gäste nutzen können. Antonio und Giovanna führen den Check-in persönlich durch, was in Zeiten von Schlüsselkästen eine echte Seltenheit geworden ist. Giovanna ist diejenige, die Englisch spricht und das Klischee des Italieners bedient. Klein, drahtig und immer ein wenig laut. Verglichen mit ihr ist Antonio ein Riese und vergleichsweise still. Sein Lieblingsspielzeug ist eine italienische Kaffeemaschine, die im gemeinsamen Aufenthaltsraum steht und deren Funktion er in feinstem Italienisch detailliert erläutert, um im Anschluss erst mal einen kleinen Kaffee zuzubereiten. Mamma mia.
Der Ort hier oben ist ein typisches italienisches Dorf mit einer Hauptstraße, gerade breit genug für ein Auto. Damit ständige Hupkonzerte und Blechschäden nicht die Dorfidylle stören, gibt es am Ortseingang und -ausgang eine Ampel, welche die Durchfahrt regelt. Entlang der Hauptstraße gibt es einen Metzger, zwei Mini-Supermärkte und eine Bar.
Es ist mittlerweile 06:30 Uhr und am Horizont beginnt das Schauspiel – Hammer!



Für den heutigen Tag haben wir zwei Optionen: erstens eine Bootsfahrt entlang der Küste zurück nach Amalfi, zweitens eine Fahrt in den Süden nach Paestum. Bine ist Team Bötchen, ich möchte nach Paestum. Antonio nimmt uns die Entscheidung ab und empfiehlt den Besuch einer Büffelfarm, die den besten Mozzarella Italiens produziert – sowas sagen die Italiener immer. Sie liegt in der Nähe von Paestum – Bingo.
Dank eines völlig verwirrten Google Maps fahren wir mehrere Runden in Salerno, bis wir uns entschließen, einfach mal den Schildern zu folgen. Nachdem wir die Stadt verlassen haben, wird der Verkehr ruhiger und wir fahren an der Küste entlang, bis wir Vannulo – so der Name der Farm – erreichen.
Für eine umfangreiche Führung sind wir zu spät; die hätten wir weit im Voraus buchen müssen. Wir können uns aber die Stallungen ansehen. Es riecht hier mächtig nach Büffel. Der Betrieb ist bio, nachhaltig und abgesehen davon, dass man ihnen vermutlich mehrmals am Tag an die Euter greift, geht es den Tieren offensichtlich gut. Im Anschluss an die Runde gönnen wir uns ein Eis aus Büffelmilch und erstehen im Shop Mozzarella zum absoluten Friedenspreis. Damit steht auch schon das Abendessen für heute fest: Caprese.

Es geht auf Mittag zu, also fahren wir zunächst einmal an Paestum vorbei in den nächsten Ort. Agropoli liegt auf einem Hügel am Meer und ist wie Paestum griechischen Ursprungs. Hier finden wir in einer Seitengasse eine kleine Trattoria, wo es für kleines Geld riesige Portionen lokaler Spezialitäten gibt. Wir entscheiden uns für Parmigiana di Melanzane, eine Schichtspeise ähnlich der Lasagne, aber mit Auberginen. Im Anschluss geht es noch ein wenig durch den Ort, bevor wir uns auf den Weg nach Paestum machen.




Nachdem sich vermutlich alle, die hier mitlesen, verzweifelt fragen, wer oder was Paestum ist, will ich jetzt mal aufklären. Es ist ein altes griechisches Dorf und die dazugehörigen Tempel sind die besterhaltenen in Europa.



Unser Timing heute ist exzellent: Es ist bereits nach 16:00 Uhr, die Sonne steht gut und es sind nur wenige Besucher da. Wir schlumpern zwei Stunden durch die Anlage, schießen gefühlt Hunderte von Fotos und versuchen uns vorzustellen, wie hier früher dörfliches Leben stattgefunden hat. Nachdem die wesentlichen Tagespunkte erledigt sind, müssen wir uns noch um die Fehlteile für unser Abendessen kümmern: Tomaten, Basilikum, Wein. Nach kurzer Rücksprache mit Giovanna packen wir auch noch Olivenöl auf die Liste. Falls jetzt der Ein oder andere nachrechnen, ja, für das Geld hätten wir auch essen gehen können.
Nachdem Bine auch in diesem Jahr wieder „in Tomaten macht“, ist das, was man hier ersteht, erstaunlicherweise enttäuschend, aber der Mozzarella ist der Kracher. Die Konsistenz ist fast wie Fleisch und der Geschmack super. So verbringen wir den letzten Abend auf unserer Luxusterrasse. Morgen geht es weiter nach Neapel.

