Wir genießen noch einmal das morgendliche Schauspiel und machen uns um 10:00 Uhr auf den Weg. Ich habe die Abgabe des Mietwagens auf 18:00 Uhr verschoben, sodass wir genug Zeit haben, uns langsam Richtung Neapel treiben zu lassen.
Wir starten in Vietri sul Mare. Das ist der Ort, der zu unseren Füßen liegt und zu dem auch unser kleines Dorf gehört. Hier ist das Mekka der Keramikproduzenten von Süditalien und in den kleinen Gassen gibt es zahlreiche Geschäfte, in denen von Wandanhängern über Teller, Schalen und Vasen bis hin zu großen Tischplatten alles angeboten wird, was das Touristenherz begehrt. Dominierend sind auch hier mediterrane Motive mit vielen Limonen. Die Handwerkskunst, die man hier sieht, ist schon beeindruckend – die Preise auch. Bine ersteht einen kleinen Esel fürs Auenland. Er hat die Form einer Scheibe. Das Maskottchen der Handwerker hier klebt neben nahezu jeder Haustür mit der dazugehörigen Hausnummer. Das restliche Geld, das wir hier lassen, wandert in eine Bar, wo wir bei einem Aperitivo das Treiben in den Gassen beobachten. Danach geht es weiter.






Kurz vor Neapel liegt Ercolano, quasi die kleine Schwester von Pompeji. Zu Beginn unserer Reise war es etwas knapp, aber jetzt spendieren wir noch mal 2 Stunden für einen Rundgang. Auch dieser Ort wurde beim Vulkanausbruch verschüttet, allerdings hauptsächlich durch heiße Lavaströme, weshalb der Zustand der Gebäude ein ganz anderer ist. Durch den kompletten Entzug von Sauerstoff ist z. B. Holz nur verkohlt und nicht verbrannt, das heißt, hier stehen komplette Gebäude inklusive Dach. Die dicke, schwer abzutragende Schicht tat ihr Übriges, um einen Abbau der Gebäude durch die Nachwelt zu verhindern. Die Ausgrabungsstätte liegt mitten in der Neustadt und aufgrund des Niveauunterschiedes kann man gut erahnen, unter welchen Lavamassen sie begraben war. Auch hier bestätigt sich mein Eindruck, dass wir bei unserem letzten Besuch bei Weitem nicht alles gesehen haben.






Wir nehmen den letzten Abschnitt Richtung Flughafen in Angriff; die Rushhour hat bereits eingesetzt und der Verkehr wird chaotischer. Nach 420 km gebe ich die Bestie unversehrt wieder zurück – quasi mein Seepferdchen – und ein Shuttle bringt mich zurück zu den Terminals. Wir haben bewusst diesen Weg gewählt, denn dort müssen die Fahrer – auf Nachfrage – festgelegte Pauschalpreise anbieten, was bei einem Taxi an der Straße nicht der Fall ist. Das kann zur jetzigen Uhrzeit ein teures Vergnügen werden. Vergnügungssteuerpflichtig ist die Fahrt aber trotzdem. Geschützt wie in einem Kokon genieße ich den Ritt durch die Straßen Neapels; es ist der Oberhammer. Ich bin viel rumgekommen hinterm Lenkrad, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt, nicht in Delhi, nicht in Bangkok. Unsere Unterkunft liegt mitten in der Altstadt von Neapel und in einen Großteil der Straßen wäre ich gar nicht reingefahren, da sie voll von Touristen sind. Entgegen der Information unserer KI lässt uns der Fahrer tatsächlich vor der Haustür raus, sodass wir den Punkt „Anreise“, der mir doch etwas im Magen lag, abhaken können. Unser Apartment liegt in einem gaaanz alten, vermutlich mittelalterlichen Gebäude, das wie alle umliegenden Gebäude hier offensichtlich Investitionsstau hat. Zumindest äußerlich. Das Apartment ist groß, schön eingerichtet, allerdings aufgrund der Bauweise hier in den engen Gassen sehr düster. Ohne Lampen geht hier nichts.



Wir checken ein, machen uns etwas frisch und es gibt einen Espresso aus einer Maschine, wie sie auch bei Antonio stand. Danach schmeißen wir uns ins abendliche Neapel. Viele Italiener, mit denen ich im Vorfeld gesprochen habe, haben mir bestätigt, dass die Stadt mittlerweile sicher ist, aber nicht zuletzt aufgrund der zwischen den Touristen herschießenden Mopeds habe ich noch ein paar Vorbehalte. Das Handy wandert daher in eine der vorderen Hosentaschen, in die andere etwas Bargeld. Hier ist es laut, wuselig, aber auch irgendwie aufregend schön. Gefühlt an jeder Ecke findet man eine Pizzeria, als Lokal oder Thekenverkauf, und die kleinen Tische vor den Läden machen die Gassen noch schmaler. Manche machen mit Musik auf sich aufmerksam, aber in einer Seitenstraße finden wir eine nette Bar, wo wir den obligatorischen Aperitivo nehmen. Zum Abschluss des Abends gibt’s noch eine Pizza und gegen 23:00 Uhr geht es zurück ins Apartment. Es war mal wieder ein langer, aufregender Tag.


