Team2-On-Tour

Andiamo in Italia – Wir fahren nach Italien 

Bine und ich machen seit 38 Jahren gemeinsam Urlaub und haben in dieser Zeit zwei Länder besonders tief in unser Reiseherz geschlossen. Es ist jedes Mal die Vielfalt der verschiedenen Destinationen, die man im Land besuchen kann, die Freundlichkeit der Leute und ihre Kultur und natürlich das Essen, die uns begeistern. 

Eines der beiden Länder ist – diejenigen, die uns regelmäßig folgen, können es sich vermutlich denken – Thailand, und das andere ist Italien. 

Unseren ersten Urlaub hier haben wir um 1991 verbracht. Wir haben in einem Steilwandzelt angefangen, uns dann in einen Wohnwagen hochgeschlafen und mittlerweile ist daraus halt Hotelurlaub geworden. Außer den großen Inseln haben wir jede einzelne Region zumindest einmal angekratzt. 

Heute geht es, wie bereits im ersten Beitrag beschrieben, das erste Mal seit 2003 wieder nach Süditalien. 

Der Flieger geht um 07:30 Uhr ab Düsseldorf. Das hat den Vorteil, dass man unter der Woche den klassischen Berufsverkehr vermeidet, der nur schwer zu kalkulieren ist und durchaus mal eine Stunde Stau mit sich bringt. Blöderweise heißt das für uns aber auch, dass um 03:30 Uhr der Wecker klingelt. 

Die Anreise erfolgt über München und ist, abgesehen von 30 Minuten Verspätung, vergleichsweise unspektakulär. Italienisch wird es dann bei der Abholung des Mietwagens. Wir haben uns für die Zeit einen kleinen Fiat 500 (oder ähnlich) gemietet. Im Bereich der Ankunftshalle gibt es in der ersten Etage die Stände der großen Mietwagenverleiher. Wir haben aber über Check24 ein Schnäppchen gebucht, und die kleinen Verleiher haben ihre Standorte außerhalb des Flughafens, die man mit einem Shuttlebus erreicht. 

Soweit die Theorie. Nach einigem Hin und Her und erfolglosem Warten an der Stelle wo jemand in großen Lettern „Shuttlebus“ auf die Straße gepinselt hat, rufe ich beim Verleiher an und erfahre, dass nahezu jeder Verleiher einen eigenen Shuttlebus hat, die aber alle an unterschiedlichen Stellen halten. Toll. 

Die Dame am anderen Ende der Leitung sagt, dass sie einen Shuttle schickt und darüber hinaus die Daten des Treffpunkts per WhatsApp sendet. Der Fahrer ist früher am Treffpunkt als wir und ruft mich per WhatsApp-Video an. Sein Englisch ist wie mein Italienisch eher mäßig, und so entspinnt sich eine muntere Diskussion, die im weiteren Verlauf immer lauter wird, aber trotz allem nur geringen Informationsgehalt hat. Irgendwann, nach 300 Metern Fußweg, finden wir dann doch zueinander und erreichen nach einiger Zeit den Übergabepunkt, eine kleine Tankstelle abseits des Flughafen. 

Was soll ich sagen? Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Das Klischee schlechthin: eine rote Bestie, la macchina rossa. Bei genauer Betrachtung kann man erkennen, dass sie schon den einen oder anderen Kampf ausgefochten hat. Ich bin der Meinung, es liegt am neapolitanischen Straßenverkehr, der Vermieter sagt, es seien eher die Touristen, die dem Verkehr nicht gewachsen sind. 

Egal. Wir haben Vollkasko ohne Selbstbeteiligung und versprechen trotzdem, den Wagen pfleglich zu behandeln. Und los geht die wilde Fahrt. 

Was das Autofahren angeht, ist Italien etwas speziell, noch spezieller wird es im Süden des Landes. Rechts überholen, vor allem von Mopeds, ist hier völlig normal. Rote Ampeln sind oftmals nur Empfehlungen. Also immer schön rechts fahren und sich dem Verkehr anpassen, solange bis man sich akklimatisiert hat. 

Von Neapel bis Pompeji sind es 29 Kilometer und wir erreichen unseren ersten Zielort unfallfrei. Der Ort ist eher unspektakulär und wäre ohne den Vulkanausbruch und die dadurch entstandenen Ruinen vermutlich nie auf der Landkarte der Weltgeschichte erschienen. So aber werden hier jeden Tag massenweise Touristen aus endlosen Schlangen von Bussen ausgespuckt. 

Unsere Unterkunft liegt zentral, direkt an den Ruinen und fußläufig zum Zentrum der Stadt. Wir checken ein, parken unsere Bestie und machen uns auf einen ersten Erkundungstrip. Ein zentraler Platz mit einer schönen Kirche und einigen Bars. Die von dort abzweigende Fußgängerzone hat nicht so viel zu bieten, also setzen wir uns in die Sonne und starten unseren eigenen Aperol-Spritz-Contest. 

Wir hatten mehrere, und was soll ich sagen: Der günstigste war auch der beste. Da gehen wir morgen noch mal hin. 

Auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft kommen wir wieder an der Kirche vorbei, die mittlerweile geöffnet hat und in der gerade ein Gottesdienst stattfindet. Hinter den Gläubigen hat man den Bereich abgesperrt, sodass auch Touristen die Kirche betreten können. Ich fand das etwas seltsam, aber für uns als Betrachter hatte es eine besondere Atmosphäre. 

Für den Abend haben wir bereits von Deutschland aus eine Reservierung vorgenommen. Es geht ins Stuzzico by Lucius, ein kleines typisches Ristorante mit sehr guten Bewertungen. Kleiner Innenraum, maximal 30 Quadratmeter, Platz für ebenso viele Leute, bunte Fliesen an den Wänden und im hinteren Bereich, abgetrennt durch eine Theke und Fenster, die Küche. 

Der Chef persönlich berät uns und wir entscheiden uns für klassisches Caprese, also Tomaten mit Mozzarella, und Baccalà (Stockfisch) mit Röhrennudeln (Paccheri). Zum Nachtisch gibt es für mich das übliche Tiramisu. 

Am Nebentisch haben im Laufe des Abends zwei italienische Pärchen Platz genommen. Sie futtern sich durch die Karte, aber alles wird geteilt, so dass die Mengen überschaubar bleiben. Mittlerweile sind sie bei geschälten, noch eher grünen Pfirsichen angelangt. Diese schneiden sie klein und tunken sie in eine goldbraune Flüssigkeit. 

Vermutlich haben wir einmal zu oft rübergeschaut, denn einer der Männer reicht uns einige Pfirsichstücke auf einem Teller sowie das Glas mit der Flüssigkeit. Die Pfirsiche schmecken, obwohl sie grün sind schon sehr gut das Getränk erinnert ein wenig an Cidre. Was ist das für Zeug? Der Signore klärt auf: Es ist ein Wein namens Cappretone, einer autochtonen Rebe die nur hier am Vesuv wächst und aufgrund der dortigen Bodenbeschaffenheit ihren besonderen Geschmack erhält. Da drängt sich bei uns direkt die Frage auf, ob man das irgendwo käuflich erwerben kann. Signore ziert sich noch ein wenig und lässt dann raus, dass er der Winzer ist, der das Zeug keltert, aber leider nur 100 – 150 Flaschen im Jahr. Er hat also für dieses Jahr den Status erreicht, wo er in die Kneipe gehen muss, um seinen eigenen Wein zu trinken – wie schräg ist das denn.

Wir sind jedenfalls gut gesättigt, hatten einen schönen Abend und machen uns langsam auf den Heimweg. Und das mit dem Caprettone merke ich mir.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert