Heute ist der Tag mit dem Event, das den Ausschlag für diese Reise gegeben hat: Wir gehen auf das Konzert von Biagio Antonacci im alten Amphitheater von Pompeji. Ich habe es ja schon geschrieben: Er ist ein italienischer Singer-Songwriter, dem wir schon viele Jahre folgen und der sehr coole Musik macht. Mittlerweile ist es ja relativ einfach, auch Musik von unbekannten peruanischen Panflötenspielern auf den gängigen Portalen wie Apple Music oder Spotify zu finden. Daher: Einfach mal nach seiner Musik schauen.
Los geht’s um 21:00 Uhr, Einlass ist um 19:30 Uhr. Daher haben wir uns für heute ein eher kleines Programm vorgenommen. Hier in der Region liegt alles relativ dicht beieinander, und wenn ich es mir recht überlege, haben wir bei unserem letzten Besuch 2003 die komplette Amalfiküste an einem Tag abgearbeitet. Wir waren damals auf einem Campingplatz vor den Toren Neapels, sind am frühen Morgen los und am Abend wieder zurückgekommen. Das Ganze für knapp 120 km.
Heute wollen wir daher Castellammare di Stabia besuchen. Wir haben das eigentlich für unsere Weiterfahrt nach Sorrent auf dem Zettel, der Ort ist aber nur 7 Kilometer von Pompeji entfernt. Es gibt dort zwei alte römische Villen, die man sich anschauen kann. Eigentlich genau das Richtige für ein kleines Tagesprogramm. Wir starten den Tag mit einem kleinen italienischen Frühstück. Hierfür gibt es von der Unterkunft Gutscheine für die Bäckerei unten im Gebäude. Bäckerei ist etwas untertrieben: Das läuft hier unter Pasticceria, und dort gibt es jede Menge Gebäck, von Torten über kleine süße Teilchen bis natürlich auch zu belegten Broten und Kaffee.


Der Italiener ist ja, was Frühstück angeht, eher sehr reduziert, sprich: Kaffee, Cappuccino und ein süßes Teilchen. Wir bestellen uns noch ein paar kräftige Panini dazu und setzen uns an einen klapprigen Tisch draußen an der Straße. So gestärkt geht es auf den Weg Richtung Castellammare di Stabia. Nach der ersten Nacht im bequemen Bett bin ich gut erholt und ausgeschlafen, und das ist auch gut so, denn der neapolitanische Straßenverkehr erfordert meine volle Konzentration. Aus meiner Sicht ist der italienische Autofahrer nicht berechenbar. Es gab in der Vergangenheit viele Situationen, in denen ich gedacht habe: „Das macht der jetzt nicht.“ – Macht er doch. Meiner Meinung nach gibt es zwei Kategorien von Autofahrern in Italien. Kategorie 1 sind die, die meinen, sie fahren einen Ferrari, nur weil ihr Auto rot ist. Kategorie 2 sind die meist im fortgeschrittenen Alter, bei denen man meint, sie machen gerade ihre letzte Fahrt. Beiden ist gemeinsam, dass sie ohne zu blinken in den fahrenden Verkehr rollen. Und Kategorie 2 macht dies gaaaaanz langsam, sehr zur Freude des nachfolgenden Verkehrs. Das größte Übel aber – vor allem in den Städten – sind die Mopedfahrer. Rechts, links, rechts, links, schießen sie haarscharf zwischen den Autos durch. Wenn man unbeabsichtigt die Lücke zumacht, riskiert man schon mal den Außenspiegel. Generell bin ich der Meinung, beherztes Auftreten ist die halbe Miete, bei einem Mietwagen relativiert sich das allerdings etwas. Daher wird es wieder eine spannende Fahrt. Ich möchte das hier gar nicht vertiefen, aber die Sirene auf dem Nebensitz eskaliert maximal. Das hier ist schon grenzwertig.
Die Villa di Marco und die Villa Arianna sind ehemalige Sommerresidenzen in den Hügeln von Castellammare. Auch sie wurden von dem damaligen Vulkanausbruch nicht verschont, aber man kann erahnen, wie groß diese Anwesen früher waren und wie viel Geld hier investiert wurde, um ein bisschen auf den Putz zu hauen.


Anschließend fahren wir runter in die Stadt und suchen uns einen Parkplatz. Was mir bereits gestern aufgefallen ist: Man kann deutlich sehen, dass den Kommunen die finanziellen Mittel fehlen. In vielen Ecken sind die Gebäude in einem bemitleidenswerten Zustand, das Gleiche gilt für die Straßen. Manchmal habe ich den Eindruck, ich bin im alten Pompeji. Heute Nacht hat es bei uns ein kräftiges Gewitter gegeben, hier muß es aber noch etwas schlimmer gewesen sein. denn Teile der Straße sind immer noch mit Schlamm bedeckt. Neben den kommunalen Aufräumarbeiten stehen auch die Bürger auf den Gehwegen und versuchen, mit Wasserschläuchen alles zu säubern.
Das mit dem Parkplatz gestaltet sich vergleichsweise schwierig, was ich allerdings auch nicht anders erwartet habe. An dieser Stelle ein kurzer Bildungsauftrag zum italienischen Straßenverkehr: Die Parkmöglichkeiten sind durch farbige Streifen am Straßenrand gekennzeichnet. Es gibt blaue, weiße, rote und gelbe Streifen. Weiß heißt: Parken ist erlaubt und kostenlos. Blau steht für: Parken erlaubt gegen Kohle. Rot und Gelb bedeuten eingeschränktes Parken, entweder zeitlich oder nur für bestimmte Benutzergruppen. Irgendwann finden wir einen blauen Parkplatz und den dazugehörigen Parkscheinautomaten. Jetzt wird es noch mal italienisch spannend, denn es reicht nicht, wenn man einfach nur Münzgeld einwirft und ein Ticket zieht. Der Italiener wüsste gerne noch ein wenig mehr. Zum einen ist es das Kennzeichen des Autos, das kenne ich auch von uns. Darüber hinaus hätten sie aber auch gerne gewusst, wo genau du stehst. Dafür sind auf den Bordsteinkanten Nummern aufgepinselt, die man ebenfalls eingeben muss. Damit vermeiden sie unter anderem, dass noch gültige Tickets an andere weitergegeben werden. Ziemlich clever.


Castellammare liegt am Meer, und wir schlendern ein wenig an der Promenade entlang. Insgesamt ist es hier aber relativ schmuddelig, und angesichts der Uhrzeit – es geht auf 15:00 Uhr zu – suchen wir uns eine Lokalität für ein spätes Mittagessen. Das ist gar nicht so einfach, denn viele Restaurants haben bereits zu oder schließen in Kürze, um erst am Abend wieder zu öffnen. Wir finden dann aber doch noch eine Pizzeria am Wegesrand, wo wir Pasta und Pizza bekommen.
Letztlich sind wir gegen 17:00 Uhr wieder in Pompeji, machen uns frisch für einen kleinen Aperitivo und anschließend auf den Weg zum Theater. Die Ruinen von Pompeji haben mehrere Eingänge, einer davon liegt quasi direkt neben unserer Unterkunft. Für die Events nach den regulären Öffnungszeiten gibt es aber nur einen Eingang, und bis dahin sind es ca. 1,2 Kilometer Fußmarsch. Wir liegen aber gut in der Zeit, sind gegen 19:30 Uhr am Eingang und können nach Prüfung der Tickets aufs Gelände. Das Grande Teatro, welches entgegen der Bezeichnung nicht das größte auf dem Gelände ist, haben wir bei unserem letzten Besuch schon mal besichtigt. Heute ist es für die Besucher der Ruinen gesperrt, weil man dort eine Bühne aufgebaut hat. Da das Konzert erst um 21:00 Uhr beginnt, sind wir einer der ersten Besucher, und der Italiener kommt erfahrungsgemäß sowieso erst in den letzten Minuten. Und was soll ich sagen: Die Letzten kommen bei den ersten Tönen der Band.


Das Konzert geht knapp zweieinhalb Stunden, und es ist genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Wir haben seit dem letzten Wochenende immer schon mal den Wetterbericht gecheckt, und die ganze Woche sah supergut aus – bis auf den Freitag, da sollte es regnen. Ich wollte schon k….. Das hat sich im Laufe der Woche aber immer mal ein bisschen verändert, und übrig geblieben ist das Gewitter von heute Nacht. Ab 10:00 Uhr gab es wieder Sonnenschein und strahlend blauen Himmel. Während des Konzerts steht der Vollmond senkrecht über dem Theater. Die Italiener sind unglaublich textsicher, Biagio spielt mit dem Publikum, animiert es zum Mitsingen, und es ist eine einzigartige Atmosphäre. Ein Video stelle ich später ein. Zurück in der Unterkunft ist es mittlerweile 01:15 Uhr, nicht mehr die ideale Zeit für einen Blog, und so falle ich todmüde in mein Bett.
