In den nächsten zwei Tagen gibt es die volle Dröhnung Neapel. Gestern Morgen sind wir als Erstes zur Büste von Pulcinella gegangen. Pulcinella ist eine Figur aus dem traditionellen italienischen Volkstheater. Er gilt als listig, faul, gefräßig und laut, verkörpert aber gleichzeitig die schlaue Seele und Weisheit des einfachen Volkes von Neapel. Er ist der Vorläufer des deutschen Kasperls. Angeblich bringt es Glück, wenn man ihm über die Nase streicht, und man kann deutlich sehen, dass das vermutlich jeden Tag Tausende von Touristen tun. Die Büste steht gleich um die Ecke, und wir machen uns noch vor dem Frühstück auf, bevor die Touristen dort Schlange stehen.


Da wir uns nur ungern festlegen, haben wir für Neapel kein Programm ausgearbeitet. Es gibt einiges, wo man weit im Voraus Tickets reservieren muß, z.B. das Christustuch, aber das ist nicht so unser Ding. Ein Tipp von Antonio ist der Besuch des Doms San Gennaro und ein Aufstieg auf die Terrassen des Doms. Dies kostet extra, und die Möglichkeit war uns bisher nicht bekannt. Wir ergattern online noch zwei Tickets für 17:00 Uhr am späten Nachmittag, was dann quasi das Ende unseres aktiven ersten Tages darstellt. Bis dahin erkunden wir intensiv die Altstadt und schlendern durch die unterschiedlichsten Gassen. Als Erstes gehen wir durch die Via San Gregorio Armeno; das ist die Gasse der Krippenbauer. Hier gibt es Krippen in jeder Form und Größe – wirklich beeindruckend.



Mittlerweile ist die Altstadt proppenvoll mit Touristen, die sich durch die Gassen drängen. Heute morgen beim ersten Cafe auf unserem Minibalkon haben wir gesehen, wie die Händler ihre Geschäfte öffnen und einen nicht unwesentlichen Teil der Auslagen nach draußen stellen. Da wird so einen Gasse schon mal ganz schnell ganz schön klein. Für das schnelle Geschäft mit dem Touri gibt es eine ständig wiederkehrende Auswahl. Als Anhänger die Limone und das Cornicello – sieht aus wie eine kleine rote Chilli, stellt aber ein Horn dar, welches gegen den bösen Blick schützen soll. Dazu kommt die Büste von Bischof San Gennaro, dem Gründer der Stadt, und – man mag es kaum glauben – Diego Mardonna. Der wird hier verehrt wie ein Heiliger, vermutlich weil er den SC Neapel zweimal zum italienischen Meister geschossen hat. Es waren die einzigen zwei Mal in der Vereinsgeschichte. Die Produktpalette wird ergänzt durch jede Menge Zeug, wo irgendwie der Schriftzug „I love Napoli“ drauf passt – selbst Schlüpper. Wir erstehen einige Mitbringsel für uns und andere – keine Schlüpper – , nehmen einen Aperitivo und einen Snack und machen uns gegen 16:00 Uhr auf den Weg zum Dom.



Wie wir später von oben noch einmal sehen können, ist Neapel voll von Kirchen. Ob diese hier die schönste ist, kann ich nicht sagen, aber ich denke, sie ist auf jeden Fall die größte.


Um 17:00 Uhr macht sich unsere zwölfköpfige Gruppe mit einem Führer hinauf auf das Dach des Doms. Es gibt dort zwei Etagen mit Aussichtspunkten, von denen man eine super Aussicht über Neapel hat, und der Führer liefert jede Menge Input zur Historie der Stadt und zu den einzelnen Bauten, die man dort sehen kann. Der Sonnenstand liefert hervorragendes Fotolicht – aus meiner Sicht ein passender Abschluss des ersten Tages.



Ein klassisches Nudelgericht in der Osteria Ippolito rundet das Tagesprogramm ab.
Für heute haben wir uns den neuen Teil der Stadt vorgenommen. Es geht über die Via Toledo – eine der großen Einkaufsstraßen der Stadt – hinunter zum Hafen. Dort liegen wieder zwei große Kreuzfahrtschiffe mit einer Gesamtkapazität von 9.000 Personen vor Anker. Das erklärt, warum es bereits heute Morgen in der Altstadt brechend voll war und auch die Einkaufsstraße mehr als gut gefüllt ist.







Nach zweieinhalb Stunden beschließen wir, uns auf den Rückweg zu machen. In einer der vielen Seitengassen passieren wir eine kleine Tapas-Bar, wo es kühles Bier gibt und wir unseren Füßen eine Pause gönnen können. Kulinarisch dominiert hier in Neapel die Pizza, wirklich an jeder Ecke gibt es in irgendeiner Ecke einen Verkauf und jeder macht natürlich die Beste. Was wir in diesem Zusammenhang schätzen gelernt haben sind Google Bewertungen. Mir ist klar, dass in exponierter Lage mit großen Touristenströmen die Qualität schon mal auf der Strecke bleibt. Aber 3 Restaurants nebeneinander können durchaus völlig unterschiedliche Bewertungen haben. Da liegt der Reinfall quasi nur einen Tisch weit entfernt, das habe ich so extrem noch nicht erlebt. Eine weitere Spezialität ist Sfogliatelle, eine Art Blätterteig mit einer Füllung ähnlich einem Orangenpudding. Auf den letzten Metern zurück zu unserer Unterkunft finden wir noch eine schöne Pasticceria, wo wir den Punkt auf unserer Liste abhaken können. Erstens: Es schmeckt durch die Gewürze voll nach Weihnachten, zweitens: Es enthält die komplette Tagesration eines 5-jährigen Kindes, kaum fettig.

Zurück in unserer Unterkunft legen wir den fettigen Bauch etwas in die Horizontale und bereiten uns anschließend auf den Abend vor. Im Klartext heißt das: Aperitivi, Pizza und Pasta. Für den Aperitivi besuchen wir die Bar Schlemmer, die liegt direkt um die Ecke und wir waren bereits gestern schon mal dort. Man muß allerdings sagen, dass wir in den letzten 10 Tagen nirgendwo einen schlechten Spritz gehabt haben – und wir hatten einige. 2 Stück von denen und man lässt das Auto besser stehen. Mit Wein ist es da ein wenig schwieriger, aber auch da finden wir später noch eine Enoteca guter Qualität obwohl mitten im Trubel.

Für das Abendessen soll es nochmal Pizza und Pasta sein, und nach kurzer Google-Recherche entscheiden wir uns für das Buongustai, welches wir uns vor dem Aperitivo vorab kurz anschauen. Kleiner Laden ohne Außengastronomie und drinnen ein auf den ersten Blick kleiner Gastraum mit einfachem Mobiliar. Aber alle die hier waren, waren begeistert. Sie öffnen um 19:00 Uhr und wir können online reservieren, was auch dringen empfohlen wird. Als wir später dort aufschlagen, werden wir durch den kleinen Gastraum nach hinten in einen größeren geführt. Anfangs sitzen wir hier alleine, aber nach und nach füllt sich das Lokal. Zum Auftakt bestellen wir eine einfache Pizza Margerita, welche wir teilen. Das was gebracht wird, hängt deutlich über den Tellerrand und schmeckt saulecker. Danach gibt es Pasta für jeden von uns und – im Wesentlichen für mich – noch Tiramisu. Bevor ich kollabiere, bitte noch einen Grappa und danach ins Bett.




Morgen Mittag geht es zurück nach Deutschland. Es waren zehn sehr intensive Tage in Süditalien, es war aufregend (der Verkehr), beindruckend (die Landschaft und die Ruinen), herzlich (alle Italiener) und immer saulecker. Die Option, bis Neapel zu fliegen, um von dort aus den Süden weiter zu erkunden, werden wir in Zukunft sicherlich noch einmal nutzen. In gut vier Wochen geht es wieder los, diesmal nach Thailand.
Also: Arrivederci und Stay tuned.

